Leserbrief

Leserbrief „Meine Meinung“ – Zum Gastkommentar von Franz Alt – „Kann immer nur einer recht haben?“

Baden-Baden, 28.07.2026, Leserbrief In einem Leserbrief an die Redaktion nimmt goodnews4-Leser Boris Fernbacher Stellung zu dem goodnews4-Bericht Der Klimawandel wird zum Brandbeschleuniger – Gastkommentar von Franz Alt.

Wir Menschen sind es gewohnt, überwiegend binär in sich gegenseitig ausschließenden Begriffen und Erklärungsmustern zu denken und zu urteilen: Ja oder Nein, Richtig oder Falsch, A oder B, Black or White. Entweder man erachtet den schnellstmöglichen Umstieg auf Solar- und Windenergie für unumgänglich und sieht wie Franz Alt in der Klimakrise die «Überlebensfrage der Menschheit», oder man lehnt die Bemühungen um Stromversorgung mittels erneuerbarer Energien pauschal ab, und ordnet sie wie goodnews4-Leser Alexander Lambertz im «Märchenland des grünideologischen Glaubens» ein (goodnews4 vom 30.03.2026). Die einen informieren sich ausschließlich über den ÖRR sowie etablierte Medien und bezeichnen Menschen mit Zweifeln an deren Berichterstattung als «Querdenker» oder «Schwurbler». Andere dagegen, wie erneut Alexander Lambertz, trauen der Tagesschau auf ARD nicht und bezeichnen die Süddeutsche Zeitung als «Alpen-Prawda». Die Aufnahme von über einer Million Flüchtlingen war nach Angela Merkel «alternativlos» und wird vom links-grünen Spektrum als kulturelle Bereicherung gefeiert. Für Anhänger der AfD dagegen birgt die Aufnahme dieser Menschen große Gefahren und könnte sogar zum Untergang Deutschlands führen.

 

Aber kann immer nur einer recht haben? Was wäre, wenn wir mit diesem Denken in sich gegenseitig absolut ausschließenden Interpretationen der Umwelt diese nur mangelhaft erkennen und die anstehenden Probleme so auch nur suboptimal lösen können? Albert Einstein zeigte bereits 1905, dass das Licht sowohl Eigenschaften von Wellen als auch von klassischen Teilchen besitzt. In einem Experiment kann man Licht immer nur als Welle ODER als Teilchen erkunden. Den dänischen Physiker und Nobelpreisträger Niels Bohr brachte dies zu der Überzeugung, dass die Annahme einer rein kausalen Erklärung der Natur fraglich ist. Bohr entwickelte daraus ein Modell der Komplementarität, welches besagt, dass es zu jeder Beschreibung von Wirklichkeit unter abgewandelter Versuchsanordnung eine zweite gibt, die der ersten zwar entgegenläuft, aber gleichberechtigt mit ihr ist. Das zu untersuchende Objekt und der Untersuchende beeinflussen sich gegenseitig. Wir können Wirklichkeit also nur umfassend als Summe von komplementären Beschreibungen verstehen. Bohr war überzeugt, dass dieses Prinzip auch auf andere Bereiche des menschlichen Lebens und Denkens anwendbar sei, was ihm nachfolgenden Wissenschaftlern im Bereich der Biologie, Psychologie, Wirtschaftswissenschaften und Ethnologie auch gelang. Wir Menschen sollten deshalb lernen, auch bei gesellschaftspolitischen Fragen unterschiedliche und sich sogar widersprechende Interpretationen stärker in die Entscheidungsfindung einfließen zu lassen. Der Physiker und Wissenschaftshistoriker Ernst Peter Fischer hat dies in den folgenden Worten treffend ausgedrückt:

«Wir würden tatsächlich in einer besseren Welt leben, wenn wir uns stets daran erinnerten, dass es zu jeder Ansicht von uns die eines anderen gibt, die ihr auf Augenhöhe widerspricht und damit ebenso Gültigkeit beanspruchen kann. Die bessere Welt ist die des Dialogs von komplementären Gegenübern.»

Boris Fernbacher
Baden-Baden

Quellen:

1.) Niels Bohr: Atomphysik und menschliche Erkenntnis / Aufsätze und Vorträge aus den Jahren 1930 bis 1961, Friedrich Vieweg & Sohn, 1985

2.) Matthias Brack: Komplementarität als Brücke zwischen Physik und Religion, Universität Regensburg, homepages.uni-regensburg.de

3.) Ernst Peter Fischer: Schrödingers Katze auf dem Mandelbrotbaum, Anaconda Verlag, 2022, Seite 64


Wenn Sie auch einen Leserbrief an die Redaktion senden möchten, nutzen Sie bitte diese E-Mail-Adresse: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!

In Ausnahmefällen veröffentlicht goodnews4.de Leserbriefe auch unter einem Pseudonym. Die tatsächliche Identität des Verfassers ist goodnews4.de in jedem Fall bekannt.

«Spielregeln» für Leserbriefe an goodnews4.de

Die Leserbriefseite «Meine Meinung» bieten ein Meinungs- und Diskussionsforum, für das es auch einiger «Spielregeln» bedarf. Diese Regeln, die zum Teil vom Presserecht und sonstigen Rechtsvorschriften vorgegeben sind, sollten diesen Maßgaben folgen. Leserbriefe geben die Meinung der Leser wieder, nicht die der Redaktion.

1. Der Verfasser eines Leserbriefes ist für diesen juristisch verantwortlich. Allerdings liegt bei goodnews4.de die publizistische und presserechtliche Verantwortung.

2. Ein Leserbrief darf scharfe Wertungen, Überspitzungen und deftige Kritik im Rahmen des öffentlichen Meinungsstreits enthalten. Beiträge, die Beleidigungen, falsche Tatsachenbehauptungen, Verleumdungen, persönliche Diffamierungen, drastisch überzogene Kritik an Personen enthalten oder das Andenken Verstorbener verunglimpfen, werden nicht veröffentlicht. Das gilt auch für Beiträge, die so genannte Schmähkritik enthalten. In diesem Zusammenhang: Gute Argumente überzeugen am besten. goodnews4.de veröffentlicht jeden Leserbrief, der diese Voraussetzungen erfüllt.

3. Leserbriefe sollten sich mit aktuellen Angelegenheiten von öffentlichem Interesse beschäftigen. Private Auseinandersetzungen werden aus redaktionellen, juristischen und presserechtlichen Gründen nicht veröffentlicht.

4. Anonyme Schreiben werden nicht veröffentlicht. Bei Pseudonymen muss die tatsächliche Identität des Verfassers bei goodnews4.de bekannt sein. Bei der Veröffentlichung eines Beitrags werden Vor-, Nachname und Wohnort genannt.

5. Beiträge von politischen Mandats- und Funktionsträgern, Vertretern von Organisationen, Verbänden, Institutionen und ähnlichen sind auf dieser Seite nicht vorgesehen, es sei denn sie antworten auf einen Leserbrief. Die genannten Vertreter haben andere Möglichkeiten, ihr Anliegen einer breiten Öffentlichkeit vorzustellen – zum Beispiel im redaktionellen Teil durch Pressemeldungen u.a.

6. Titelvorschläge (Überschriften) nehmen wir gerne entgegen, grundsätzlich entscheidet über die Titelsetzung aber die Redaktion.

7. Leserbriefe sollten elektronisch als E-Mail übermittelt werden und müssen die vollständige Adresse des Einsenders enthalten. Darüber hinaus benötigen wir eine Telefonnummer für eventuelle Rückfragen.

8. Der Einsender sollte erwähnen, worauf sich sein Beitrag bezieht. Sollte er sich auf einen goodnews4-Artikel beziehen, bitte mitteilen, wann dieser erschienen ist.

9. Für die Länge von Leserbriefen hat unsere Redaktion ein Limit von 2.000 Zeichen inkl. Leerzeichen gesetzt.




Zurück zur Startseite und zu den weiteren aktuellen Meldungen.