Leserbrief

Leserbrief „Meine Meinung“ – Zum Gastkommentar von Inga Dönges zur Premiere von „Mutter Courage“ – „Alle werden gerettet, außer dem Theater!“

Baden-Baden, 12.10.2026, Leserbrief In einem Leserbrief an die Redaktion nimmt goodnews4-Leser Kurt Krause Stellung zu dem goodnews4-Bericht «Wird der bestehende Mangel an Zivilcourage nur weiter verwaltet?» – Gastkommentar von Inga Dönges zur Premiere «Mutter Courage» in Baden-Baden.

Wer die Welt des Theaters und des Festspielhauses so beschreibt, wie sie ist, der verändert sie.

Simon Meienreis (Intendant und Autor) und sein im Huckepack mitgekommener Regisseur und Autor Nick Hartnagel – dessen Ergüsse im November zu erdulden sein werden – haben viel Zeit für die Vorbereitung der Spielzeit 2026/27 gehabt.

Wenn ich mir heute das Programm für Oktober 2026 im Internet ansehe, dominieren zunächst (irritierend) groß geschriebene Angaben zur Dauer einer jeden Woche auf. Soll das schon Marketing sein oder vom mageren Inhalt jeder Woche ablenken?

 

Das Programm weist 17 Tage ohne jede Aufführung aus. Vermutlich sind das Tage, an denen man ohnehin keine Zuschauer erwartet. Ferner: Schwerpunkt der Lokalität ist nicht das architektonische Juwel des Theaters selbst, sondern das sog. Kulissenhaus. Ca. 70 Plätze sorgen dann für ständig ausverkaufte Vorstellungen. Nur 10 Tage Nutzung des Großen Hauses, davon sind zwei Tage ein vom Festspielhaus ausgelagertes Tanzevent, ein Tag Patronaten-Talk mit dem neuen Intendanten. Hoffentlich informativ, nicht das übliche seichte Gerede um den heißen Brei herum.

Und dann das Programm selbst. Bei Monologen denkt der Laie zunächst mal an Shakespeare, bei dem wird man immer fündig. Monologe des Marc Anton, des Shylock, des Hamlet: jeder Schauspier träumt davon, die Rolle einmal spielen zu dürfen. Und ganz verwegen wäre es, den Monolog «Gespräche im Hause Stein über den abwesenden Herrn von Goethe» von Peter Hacks zu spielen, eine die ganze Person fordernde, abendfüllende Rolle für eine einzelne Schauspielerin. Stattdessen: Drei Monologe am 10. Und 11. Oktober, die auch wieder Gastspiele sind und in französischer, englischer und arabischer Sprache (mit Übertiteln) dargebracht werden. Das Budget reicht wohl für qualifizierte Übersetzungen der singulären Schicksale weiblicher Personen. Aber ist das schon Literatur?

Bei dem Stück «Alle werden Gerettet» wird der Text von einem 7er-Kollektiv erarbeitet und dargestellt. Da guckt nun aber Brecht um die Ecke, der sein Werk auch kollektiv erarbeitete, aber meist individuell vermarktete. Wer dabei an Pirandellos «Personen suchen einen Autor» denkt, der geht fehl. Bei Pirandello waren es nur 6 Personen. «Alle werden gerettet»: «Mal todernst, mal hochkomisch zeigt der Abend die Absurditäten und Widersprüche des demokratischen Alltags und fragt wie aus unterschiedlichen Positionen gemeinsame Entscheidungen entstehen.» Müsste es nicht «todernst» heißen?

Am 21.Oktober 2026 dann «Poetry Schlamm – Ein Festmahl der Sprachkunst» im Spiegelsaal …. Schon wieder mehr als 200 nicht genutzte Plätze im Großen Haus.

Wenn ich mir das Programm der folgenden Monate anschaue… Im März gibt es einen Lichtblick: Ödön von Horváths Theaterstück «Glaube Liebe Hoffnung – Ein kleiner Totentanz in 5 Bildern» von 1933 erzählt die tragische Geschichte einer jungen Frau, die an bürokratischer Kälte und sozialer Ausgrenzung zerbricht Hoffentlich dann aber auch VON und nicht NACH von Horváth!

Irgendwie habe ich das mulmige Gefühl, der neue Intendant ist der Meinung, Baden-Baden hätte was von Berlin, so wie «Arm aber sexy». Mit Sicherheit gibt es hier aber keine derartige Sub-Kultur, um bei der vorgenommenen Stückauswahl die Reihen des Hauses zu füllen.

Kurt Krause
Baden-Baden


Wenn Sie auch einen Leserbrief an die Redaktion senden möchten, nutzen Sie bitte diese E-Mail-Adresse: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!

In Ausnahmefällen veröffentlicht goodnews4.de Leserbriefe auch unter einem Pseudonym. Die tatsächliche Identität des Verfassers ist goodnews4.de in jedem Fall bekannt.

«Spielregeln» für Leserbriefe an goodnews4.de

Die Leserbriefseite «Meine Meinung» bieten ein Meinungs- und Diskussionsforum, für das es auch einiger «Spielregeln» bedarf. Diese Regeln, die zum Teil vom Presserecht und sonstigen Rechtsvorschriften vorgegeben sind, sollten diesen Maßgaben folgen. Leserbriefe geben die Meinung der Leser wieder, nicht die der Redaktion.

1. Der Verfasser eines Leserbriefes ist für diesen juristisch verantwortlich. Allerdings liegt bei goodnews4.de die publizistische und presserechtliche Verantwortung.

2. Ein Leserbrief darf scharfe Wertungen, Überspitzungen und deftige Kritik im Rahmen des öffentlichen Meinungsstreits enthalten. Beiträge, die Beleidigungen, falsche Tatsachenbehauptungen, Verleumdungen, persönliche Diffamierungen, drastisch überzogene Kritik an Personen enthalten oder das Andenken Verstorbener verunglimpfen, werden nicht veröffentlicht. Das gilt auch für Beiträge, die so genannte Schmähkritik enthalten. In diesem Zusammenhang: Gute Argumente überzeugen am besten. goodnews4.de veröffentlicht jeden Leserbrief, der diese Voraussetzungen erfüllt.

3. Leserbriefe sollten sich mit aktuellen Angelegenheiten von öffentlichem Interesse beschäftigen. Private Auseinandersetzungen werden aus redaktionellen, juristischen und presserechtlichen Gründen nicht veröffentlicht.

4. Anonyme Schreiben werden nicht veröffentlicht. Bei Pseudonymen muss die tatsächliche Identität des Verfassers bei goodnews4.de bekannt sein. Bei der Veröffentlichung eines Beitrags werden Vor-, Nachname und Wohnort genannt.

5. Beiträge von politischen Mandats- und Funktionsträgern, Vertretern von Organisationen, Verbänden, Institutionen und ähnlichen sind auf dieser Seite nicht vorgesehen, es sei denn sie antworten auf einen Leserbrief. Die genannten Vertreter haben andere Möglichkeiten, ihr Anliegen einer breiten Öffentlichkeit vorzustellen – zum Beispiel im redaktionellen Teil durch Pressemeldungen u.a.

6. Titelvorschläge (Überschriften) nehmen wir gerne entgegen, grundsätzlich entscheidet über die Titelsetzung aber die Redaktion.

7. Leserbriefe sollten elektronisch als E-Mail übermittelt werden und müssen die vollständige Adresse des Einsenders enthalten. Darüber hinaus benötigen wir eine Telefonnummer für eventuelle Rückfragen.

8. Der Einsender sollte erwähnen, worauf sich sein Beitrag bezieht. Sollte er sich auf einen goodnews4-Artikel beziehen, bitte mitteilen, wann dieser erschienen ist.

9. Für die Länge von Leserbriefen hat unsere Redaktion ein Limit von 2.000 Zeichen inkl. Leerzeichen gesetzt.




Zurück zur Startseite und zu den weiteren aktuellen Meldungen.