Leserbrief

Leserbrief „Meine Meinung“ – Zum Leserbrief von Peter Witzens und zum Angebot der OB-Kandidaten – „Will Baden-Baden den Besten – oder nur den, der niemanden stört?“

Baden-Baden, 14.01.2026, Leserbrief In einem Leserbrief an die Redaktion nimmt goodnews4-Leser Dr. med. Mark Lopatecki Stellung zu dem Leserbrief von goodnews4-Leser Peter Witzens Leserbrief «Meine Meinung» – «Ein Elektriker aus Muggensturm» – «Ein Unternehmer aus Haueneberstein» – «Eine Dame aus Bremen» – «Das kann doch nicht alles sein».

Peter Witzens hat recht: Bei der Ausschreibung des Oberbürgermeisteramts geht es nicht um Formalien, sondern um Verantwortung. Wer diese Verantwortung auf das Einhalten gesetzlicher Mindeststandards reduziert, verkennt die Tragweite der Entscheidung.

Die Stellenausschreibung war wohl formal korrekt. Ja, sie erfüllt vielleicht die rechtlichen Vorgaben. Und ja, Baden-Baden befindet sich in einer angespannten finanziellen Lage. Doch genau diese Lage verlangt nach Weitsicht – nicht nach dem Rückzug auf das rechtlich gerade noch Zulässige.

Wie Peter Witzens zutreffend beschreibt, ist die Veröffentlichung von kostenpflichtigen Anzeigen in bestimmten Medien erfolgt. Dies ist jedoch kein Ausdruck aktiver Personalpolitik, sondern deren Minimalvariante. Wer daraus ableitet, man habe «alles Erforderliche getan», verwechselt Rechtskonformität mit politischem Gestaltungsanspruch.

 

Witzens stellt die entscheidende Frage: Warum spart man ausgerechnet dort, wo die Weichen für die Zukunft der Stadt gestellt werden? Der Aufwand für eine überregionalen Kampagne ist überschaubar. Die Kosten einer schwachen, angepassten oder reformunwilligen Stadtspitze hingegen können Baden-Baden über Jahre lähmen – finanziell, strukturell und politisch. Diese Erfahrung hat Baden-Baden in der jüngeren Vergangenheit bereits gemacht.

Der Hinweis des Gemeinderats auf Sparzwänge greift daher zu kurz. Wie der Autor des Leserbriefs implizit deutlich macht, geht es weniger um Geld als um Haltung: um die Bereitschaft, sich echter Konkurrenz zu stellen, und um die Offenheit gegenüber Kandidaten, die nicht aus dem gewohnten Umfeld stammen und die bestehenden Strukturen, Entscheidungswege und Prioritäten infrage stellen könnten. Gerade diese Möglichkeit scheint jedoch Unbehagen auszulösen. Nicht offen ausgesprochen, aber spürbar. Der Verzicht auf eine breite, überregionale Suche wirkt wie der Versuch, Risiken zu minimieren – nicht für die Stadt, sondern für die politische Komfortzone.

Der Vorschlag von Peter Witzens, die OB-Wahl am 8. März auszusetzen und nach einer professionellen Kampagne neu anzusetzen, kommt möglicherweise zu spät. Faktisch befindet sich Baden-Baden längst im laufenden Wahlverfahren. Der Zug fährt. Doch die von Witzens aufgeworfene Frage bleibt hochaktuell: Wohin soll diese Fahrt führen?

Am Ende geht es um eine einfache, aber unbequeme Entscheidung: Will Baden-Baden den Besten – oder nur den, der niemanden stört? Will man einen echten Neuanfang oder lediglich die Fortschreibung des bisherigen Misserfolgs?

Wenn anstrengende Aktivität und Sparsamkeit zum Vorwand wird, um echte Auswahl und echten Wettbewerb zu vermeiden, dann spart man nicht Geld. Dann spart man an der Zukunft dieser Stadt.

Dr. med. Mark Lopatecki
Baden-Baden

PS: Ich habe bewusst auf geschlechtergerechte Sprache verzichtet, um den Lesefluss nicht zu beeinträchtigen. Meine Ausführungen beziehen sich gleichermaßen auf weibliche wie auf männliche Bewerber.


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