Leserbrief

Leserbrief "Meine Meinung" – Zur Fahrradpolitik von Bürgermeister Uhlig – "Herr Schmoll ist umtriebig und oft hilft das"

Baden-Baden, 18.02.2022, Leserbrief In einem Leserbrief an die Redaktion nimmt goodnews4-Leser Rainer Jehl Stellung zu dem goodnews4-Bericht Stadtrat Schmoll kritisiert Fahrradpolitik von Bürgermeister Uhlig − "Allein auf Ideen des ADFC-Kreisvorsitzenden zu verlassen ist nicht die beste Entscheidung" − Alternative Lösungen für Verfassungsplatz.

Herr Schmoll ist umtriebig und oft hilft das. Die Ideen zur Verschönerung der B500-Querung der Grünen Einfahrt sind allerdings noch dürftig, wenn jetzt die Radikallösung weggefallen ist.

Mit den frei werdenden Millionen lässt sich erstmal eine andere Schadstelle am gleichen Ort beseitigen: Die Überschneidung des Radwegs mit dem Spazierweg und dem Kinderspielplatz an der Berlioz-Anlage zwischen Festspielhaus und B500. Hier kommt es in den radfahrstarken Monaten April bis Oktober zur Dauerkollision zwischen Fußgänger- und Radverkehr. Insbesondere Kinder, die auf der Wiese vor dem Spielplatz tollen, werden immer wieder von Elektroraserinnen (und auch einfachen Rädern) aufs Korn genommen.

Ebenfalls dringend beseitigt werden muss die kanülenartige Engstelle über der Parkhauseinfahrt am Kiosk. Und nicht zuletzt das ebenso chaotische Miteinander von Fußgängerinnen und Radfahrern am zumöblierten Platz vor dem Festspielhaus, speziell an der stadteinwärts uneinsehbaren Westecke zum Kiosk.

Daher, wie von mir schon früher und seit langen Jahren vorgeschlagen, sollte die Einmündung der Grünen Einfahrt am Festspielhaus wieder hinter das Festspielhaus an den Schumann-Platz verlegt werden wie schon einmal Anfang des Jahrtausends. Dazu müssen am Rand der Berlioz-Anlage zur B500 einige Büsche umgetopft werden, womit sich das Gartenamt sicherlich schwertut, aber mit etwas Willen gelingt auch dies. Der bestehende Spazierweg müsste dazu überhaupt nicht angetastet werden, es ist ausreichend Raum für einen asphaltierten Weg zwischen Parkanlage und Tunneleinfahrt. Dieser kann dann weitergeführt werden bis zur bestehenden Querung der 500, wenn noch eine Wegweisertafel versetzt wird, was durch Neugießen eines Betonfundaments ohne weiteres möglich ist. Das RP, zuständig für die Bundesstraße, bearbeitet solche Wünsche innerhalb einiger Wochen, es ist nicht unmöglich oder dauert Jahre und Jahrzehnte.

Dies alles für weit weniger als eine halbe Million.

 

Wenn nun eine vernünftige Abtrennung der Radeinfahrt von Spazierweg, Kinderspielplatz und Kiosk-Engstelle vollbracht ist, könnten tatsächlich die Verkehrsinseln an der B500-Querung in ein fahrradflüssiges Format gebracht werden. Deren geometrischer Zuschnitt mit für Radfahrern unmöglichen spitzen Winkeln orientiert sich nämlich ausschließlich am Autoverkehr. Die Ingenieure des damaligen Planungsbüros für die Tunneleinfahrt hatten zuletzt als Erstsemester auf einem Fahrrad gesessen und die Verkehrsführung für Radfahrer niemals praktisch untersucht. Notwendigerweise kommt es dort immer zu Konflikten zwischen Fußgängern und Radfahrern.

An der Ampelschaltung kann ein Sofortgrün für Radfahrer in den Nachtstunden einprogrammiert werden auf Bettelknopf. Besonders ärgerlich ist es, in der verkehrsschwachen Zeit von 23.00 bis 6.00 Uhr 2 Minuten in drei Lichtsignalfurten auf Grün warten zu müssen, obwohl gar kein Auto kommt. Die Meisten halten sich daher nachts ohnehin nicht ans Rot. Ich auch nicht. Es ist möglich, auch im Rahmen der Dirigent-Schaltung für 2 Verkehrsknoten. Ähnliches übrigens an der Radfahr-Ampel Grüne Einfahrt / Jagdhausstraße, die früher von 21.00 - 6.00 Uhr ganz abgeschaltet war zugunsten des Radverkehrs, was in der heutigen Gefahrenzeit anscheinend nicht mehr erlaubt ist.

Ich selbst war übrigens auch kein Freund der Brücke, weil sie über das Gefälle die Elektrorentner mit gut und gern 30 km/h in den Kinderspielplatz reingespült hätte. Und auch viele jüngere Teilnehmerinnen, die den Fahrtwind mögen.

Eine Unterführung hätte ich favorisiert, da dort das gefährliche Gefälle nach innen gerichtet ist. Aufgrund der zahlreichen kreuzenden Linien hätte eine Unterführung jedoch die Stadt technisch und finanziell überfordert. Vielleicht bringt sie die fernere Zukunft.

All diese Verkehrserleichterungen benötige ich nicht für mich selbst. Ich fahre seit einem Vierteljahrhundert die Grüne Einfahrt mit dem Velo ohne Elektro als Innenstadtresident ohne Auto. Ich fahre unter allen ungünstigen Verkehrsumständen sicher, und bremse, sehr zum Ärger der übrigen Teilnehmerinnen, gern auch für Fußgänger. Mein derzeitiges Gefährt hat schon wieder über 50 tkm drauf - nicht alle in Baden-Baden aquiriert.

Ich sehe allerdings täglich die Konflikte Fuß/Rad, die durch die politische Schönheit des Radverkehrs und das damit verbundene Hochjagen der Teilnehmerzahlen und der teilnehmenden Geschwindigkeiten provoziert werden.

Zur Zeit übrigens ist aufgrund des heftigen Winters das Konfliktgeschehen auf der Grünen Einfahrt weitgehend zum Erliegen gekommen, da Radfahren in der kalten Jahreszeit für die Elektrohorden auf ärztlichen Rat hin eine Gefahr für Leib und Leben darstellt. Man schmiegt sich bis zur Baumblüte lieber in den kuschelwarmen BMW.

Rainer Jehl
Dauerradfahrer und autofreier Altstadtbewohner
Baden-Baden


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