"Alliierte Kriegsbeute aus der Reichskanzlei in Berlin"

Prachtvoller Baden-Badener Ehrenbürgerbrief an Adolf Hitler aufgetaucht - "Kriegsbeute aus der Reichskanzlei in Berlin" - SPD-Stadtrat Werner Schmoll richtet fünf Fragen an OB Mergen

Prachtvoller Baden-Badener Ehrenbürgerbrief an Adolf Hitler aufgetaucht - "Kriegsbeute aus der Reichskanzlei in Berlin" - SPD-Stadtrat Werner Schmoll richtet fünf Fragen an OB Mergen
Um dem „Führer“ zu gefallen, bemühte das Baden-Badener Rathaus 1933 eigens einen Goldschmidt um die Präsentation des Ehrenbürgerbriefs zu gestalten. Fotos: weitze.net

Baden-Baden, 04.01.2016, 15:45 Uhr, Bericht: Christian Frietsch Offenbar hatten sich die Baden-Badener Gemeinderäte in den dreißiger Jahren mit den Machtverhältnissen besonders schnell arrangiert. Doch nicht nur, dass sie kaum drei Monate nach dessen Machtergreifung Adolf Hitler zum Ehrenbürger machten, die Baden-Badener Stadtväter taten mehr als nur das Notwendige, um dem Regime in Berlin nicht aufzufallen.

Einer Recherche von SPD-Stadtrat Werner Schmoll ist es zu verdanken, dass man jetzt noch mehr weiß über die devote Haltung des damaligen Baden-Badener Rathauses. Adolf Hitler erhielt aus Baden-Baden einen Ehrenbürgerbrief, der an Pracht und formulierter Linientreue kaum zu überbieten war. «Der Umschlag besteht aus zwei geschliffenen Kristallglasplatten, gehalten von einem Silberbeschlag mit silbernem Verschluss», heißt es in der Verkaufsbeschreibung der Firma Helmut Weitze, Militärische Antiquitäten KG, Hamburg, die den Brief für 15.000 Euro zum Kauf anbietet. «Der Silberbeschlag mit aufgelegtem Eichenlaubdekor», heißt es weiter in der Beschreibung zum erlesenen Accessoire um den Ehrenbürgerbrief herum.

In der Pergament-Urkunde huldigte die um zweifelhafte Harmonie bemühte Rathausführung dem Diktator und Parteiführer, innen mit schwarzer Tinte kalligrafisch mit Hand beschriftet: «Stadtrat und Bürgerausschuss der Kreishauptstadt Baden-Baden verleihen durch einmütigen Beschluss vom 1. Mai 1933 dem Herrn Reichskanzler Adolf Hitler − dem Schmied des neuen Reiches − dem Schöpfer der deutschen Einheit − dem unerschrockenen Führer des Deutschen Volkes das Ehrenbürgerrecht.» Unterschrieben von Oberbürgermeister Hans Schwedhelm und dem Ratschreiber.

In einem Schreiben bittet nun SPD-Stadtrat Werner Schmoll mit fünf Fragen um eine Stellungnahme der Oberbürgermeisterin zu möglicherweise bekannten Hintergründen und Reaktionen um den Baden-Badener Ehrenbürgerbrief an Adolf Hitler. Gegenüber goodnews4.de nahm heute Helmut Weitze, Inhaber des Hamburger Fachgeschäfts für Militärische Antiquitäten und Anbieter des Dokuments, Stellung und konnte eine Frage von Werner Schmoll schon mal beantworten: Es sei «ein historisches Original» und stamme als «alliierte Kriegsbeute aus der Reichskanzlei in Berlin». Es sei ein «Stück Zeitgeschichte», bemüht sich der Antiquar um eine Versachlichung zu dem Dokument. Zu dessen unmittelbarer Herkunft sagte Helmut Weitze, dass er das Dokument von einem Kollegen gekauft habe. Üblicherweise seien «solche Dinge als Kriegssouvenir von amerikanischen Soldaten mitgenommen und später verkauft worden» und auf diesem Wegen «in Museen oder in Privatbesitz» gelandet.

Zum Stand der goodnews4-Recherchen heute Nachmittag war der aufwändig gestaltete Baden-Badener Ehrenbürgerbrief an Adolf Hitler immer noch zum Preis von 15.000 Euro zu haben. www.weitze.net

Dass es auch anders ging, zeigte die traditionelle «SPD-Stadt» Mannheim. Dort wurde dem Diktator die Ehrenbürgerwürde nicht zuteil. Der Name von Adolf Hitler wurde in der Liste der Baden-Badener Ehrenbürger erst in den neunziger Jahren durchgestrichen.

Er gehe nicht davon aus, dass die Stadt Interesse habe, das Dokument zu erwerben, sagte Rathaussprecher Roland Seiter gegenüber goodnews4.de zur aktuellen Möglichkeit eines Erwerbs des unrühmlichen Schreibens von 1933 aus Baden-Baden an den Diktator.

PDF Anfrage von Werner Schmoll

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