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Verständnis für Zusammenhänge des Judentums

Rami Suliman zu Polizeirabbiner und Situation jüdischer Gemeinden in der Pandemie – „Empfehlung das Gemeindeleben herunterzufahren“

Rami Suliman zu Polizeirabbiner und Situation jüdischer Gemeinden in der Pandemie – „Empfehlung das Gemeindeleben herunterzufahren“
Rami Suliman, Vorsitzender der Israelitischen Religionsgemeinschaft Baden. Foto: goodnews4-Archiv

Bild Nadja Milke Bericht von Nadja Milke
14.01.2021, 00:00 Uhr



Baden-Baden Zur Einsetzung des bundesweit ersten Polizeirabbiners gab es in jüdischen Gemeinden einige Irritationen und Missverständnisse. goodnews4.de berichtete.

Auf eine schriftliche goodnews4-Anfrage dazu und zu den Auswirkungen der Corona-Pandemie in den badischen jüdischen Gemeinden antwortet Rami Suliman, Vorsitzender der Israelitische Religionsgemeinschaft Baden, IRG.

goodnews4: Wurden die Mitglieder der IRG am Meinungsbildungsprozess für die Einführung eines Polizeirabbiners beteiligt?

Rami Suliman: Die Mitglieder der IRG Baden werden durch die von ihnen gewählten Delegierten im Oberrat repräsentiert. Der Oberrat hat die Frage der Schaffung der Position von Polizeirabbinern in Baden-Württemberg ausführlich behandelt und der Umsetzung dieser Idee mit Freude zugestimmt.

goodnews4: Der Begriff «Polizeirabbiner» ist erklärungsbedürftig, vielleicht auch missverständlich. Gibt es dazu eine Publikation der IRG?

Rami Suliman: Es gibt vielfältige Kontakte zwischen Polizei und jüdischen Gemeinden. Seit dem Anschlag von Halle am 09.10.2019 haben sich diese Kontakte nochmals intensiviert. Jede Gemeinde hat direkte Ansprechpartner bei der Polizei, Polizisten schützen Veranstaltungen und Einrichtungen der Gemeinden. Diese gute Zusammenarbeit soll durch die Polizeirabbiner noch verstärkt werden. Die Polizeirabbiner - in Baden ist dies Landesrabbiner Moshe Flomenmann - werden im Rahmen der Ausbildung der angehenden jungen Polizeibeamten an den verschiedenen Standorten der Hochschule für Polizei die Vermittlung der Unterrichte übernehmen, die das jüdische Leben zum Inhalt haben. Die Polizeianwärter erhalten so aus erster Hand die Informationen, die sie für den unbefangenen Kontakt mit Juden oder jüdischen Gemeinden benötigen. So wird das Verständnis für die Zusammenhänge des Judentums und des Gemeindelebens vertieft. Es kann auch eine Sensibilität geweckt werden, die hilft, erfolgreich gegen rechtes Gedankengut vorzugehen sowie Antisemitismus in Wort und Tat als solchen zu erkennen und zu verfolgen. Auch für jüdische Polizeibeamte können die Polizeirabbiner erste Ansprechpartner sein.

goodnews4: Gibt es besonders schwierige Auswirkungen auf das Gemeindeleben durch die Pandemie? Stehen für bedürftigen Gemeindemitglieder ausreichend Mittel und Betreuungsangebote zur Verfügung?

Rami Suliman: Natürlich leidet auch das jüdische Gemeindeleben unter den Auswirkungen der Pandemie enorm. Sicherheit und Gesundheitsschutz sind für uns und unsere Mitglieder allerdings vorrangig. Seitens der IRG Baden gibt es die Empfehlung an die Gemeinden, das Gemeindeleben «herunterzufahren», auf Präsenzveranstaltungen zu verzichten. Viele Gemeinden sind dieser Empfehlung gefolgt, sie lassen die gewohnten Aktivitäten ruhen. Aber die Gemeinden halten den Kontakt zu den Mitgliedern auf andere Weise. An vielen Orten kommt die Gemeinden pandemiekonform mit kleinen Aufmerksamkeiten - etwas zum Essen, etwas zum Trinken - zum Schabbat auf die Mitglieder zu. Freiwillige bringen die Präsente zu den Mitgliedern nach Hause. Unverändert erreichbar sind allerdings die Sozialarbeiterinnen der Gemeinden, so dass die Betreuung bei auftauchenden Problemen oder in Krisen sichergestellt ist. Die Rabbiner haben ein Onlineangebot an religiösen Veranstaltungen und Unterweisungen für die Mitglieder aufgebaut. Auch die Jugendarbeit der IRG Baden JuJuBa, das Familienreferat der IRG Baden und die ZWST (Zentralwohlfahrtsstelle der Juden in Deutschland) bieten umfangreiche Onlineformate an, aus der die Mitglieder nach ihrem Interesse auswählen können.


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