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Reaktion auf Grenke-Stellungnahme

Schlacht um Grenke AG geht in nächste Runde – Viceroy ruft Whistleblower auf – 10 Fragen an Grenke – Statement der Bafin

Schlacht um Grenke AG geht in nächste Runde – Viceroy ruft Whistleblower auf – 10 Fragen an Grenke – Statement der Bafin
Die Grenke AG weist die Betrugsvorwürfe von Viceroy "auf das Schärfste" zurück. Foto: Archiv

Bild Christian Frietsch Bericht von Christian Frietsch
16.09.2020, 12:25 Uhr



Baden-Baden Ausdrücklich betont Viceroy Research in einem Disclaimer von heute, dass es sich bei den Betrugsvorwürfen gegen die Baden-Badener Grenke AG um eine Meinung und nicht um eine Tatsachenbehauptung handele und der Dienst rechtlich nicht belangt werden könne und gleichzeitig holt er zum nächsten Schlag aus. Die Grenke AG hatte sich gestern rechtliche Schritte gegen die Vorwürfe von Viceroy vorbehalten. goodnews4.de berichtete.

Hinter der in den USA registrierten Viceroy Research LLC steht der Brite Fraser Perring, der den deutschen Luft-Konzern Wirecard zur Strecke brachte und angeblich mit Leerverkäufen gewaltige Summen verdiente. goodnews4.de berichtete.

Mit seinem Wirecard-Erfolg und dem daraus resultierenden öffentlichen Bonus treten die eigentlichen Ziele des Investors in den Hintergrund, wo es vor allem darum geht, Geld zu verdienen. Dies gelingt auch im Falle Grenke nur dann, wenn die Aktie in den Keller rauscht. So wird damit zu rechnen sein, dass die Schlacht zwischen Viceroy Research und Fraser Perring auf der einen Seite und der Grenke AG auf der anderen Seite noch tagelang, wenn nicht wochenlang dauern wird. Mit welchen harten Bandagen der Wirtschaftskrieg geführt wird, zeigt der Aufruf von Viceroy Research an potentielle Whistleblower. Damit ist nichts anderes gemeint, dass auch Insider im Hause Grenke aufgefordert werden, ihr Wissen preiszugeben. In einem heute zu lesenden Aufruf heißt es: «Achtung: Whistleblower, Viceroy ermutigt alle Parteien, die Informationen über Fehlverhalten innerhalb der Grenke Group, ihrer verbundenen Unternehmen oder eines anderen Unternehmens haben, einen Bericht bei der zuständigen Aufsichtsbehörde einzureichen. Wir verstehen auch aus erster Hand, dass Whistleblower mit Vergeltungsmaßnahmen manchmal konfrontiert sind, wenn sie sich für diese Themen einsetzen. Wenn möglich, fungiert Viceroy gerne als Vermittler bei der Bereitstellung von Informationen für Regulierungsbehörden und der Meldung von Informationen im öffentlichen Interesse, um die Identität von Whistleblowern zu schützen.»


In einem ausführlichen Fragenkatalog antwortet Viceroy heute auf die Stellungnahme der Grenke AG von gestern mit 10 Fragen. Übersetzung aus dem Englischen von goodnews4.de:

1. Hat Grenke bekanntgegeben, dass alle Franchisekäufe von der CTP Handel- und Beteligungs GmbH, einem von Wolfgang Grenke und Thomas Konprecht kontrollierten Unternehmen, Transaktionen mit nahe stehenden Personen/Unternehmen waren?

2. Wenn der Vorbesitzer der Sacoma AG nicht mit der Grenke AG in Beziehung steht, was machten Wolfgang Grenke und Thomas Konprecht in einer Nebenbeschäftigung als Direktoren derer Anlageverwaltungsgesellschaft?

3. Wer ist der bisherige wirtschaftliche Eigentümer der Sacoma AG?

4. Warum beteiligen sich Pro Gulf FZE und Garuna AG (kontrolliert von Konprecht) auch an Franchise-Unternehmen?

5. Wusste der Aufsichtsrat, der über den Erwerb assoziierter Unternehmen abgewogen und beschlossen hatte, über die Kontrolle, den Zweck, die Direktoren und das Eigentum von CTP und Sacoma AG Bescheid?

6. Wenn ja, warum haben sie beschlossen, diese Transaktionen nicht unter Verstoß gegen IASS 24 offenzulegen?

7. Ist Grenke bewusst, dass Geldwäscher dazu tendieren, bei der Eröffnung von Bankkonten unehrlich zu sein?

8. Überprüft die Grenke Bank ihre Kunden nur zum Zeitpunkt der Registrierung ihres Kontos auf AML- und KYC-Vorschriften und nicht als aktiver und kontinuierlicher Prozess?

9. Ist Grenke bekannt, dass ihre Bankkunden bei drei verschiedenen Aufsichtsbehörden, einschließlich BaFin, in Alarmbereitschaft waren?

10. Warum lädt Grenke weiterhin teure unbesicherte Schuldtitel auf, geht teure Asset-Backed-Commercial-Paper-Programme ein und gibt Kapital- und Hybrid-Schuldverschreibungen aus, wenn die Eigenkapitalanforderungen mit 2 Jahren Umsatz in der Bilanz weit über den Anforderungen der Kapitaladäquanz liegen?

Die Fragen von Viceroy im englischen Wortlaut:

1. Did Grenke disclose that all franchise purchases from CTP Handel-und Beteligungs GmbH, a company controlled by Wolfgang Grenke and Thomas Konprecht, were related party transactions?

2. If the prior owner of Sacoma AG was not related to Grenke AG, what were Wolfgang Grenke and Thomas Konprecht doing moonlighting as directors of their investment management company?

3. Who is the prior beneficial owner of Sacoma AG?

4. Why are Pro Gulf FZE and Garuna AG (controlled by Konprecht) also taking stakes in franchises?

5. Did the supervisory board, who deliberated and resolved on the acquisition of associated companies, know about the control, purpose, directors and ownership of CTP and Sacoma AG?

6. If so, why did they choose not to disclose these transactions in breach of IASS 24?

7. Are Grenke aware that money launderers tend to be dishonest about their intentions when opening bank accounts?

8. Does Grenke bank only check its customers for AML and KYC regulations at the time they register their account, and not as a live and continuous process?

9. Is Grenke aware their banking customers were on active fraud alert with 3 different regulators, including BaFin123?

10. Why does Grenke continue to load up on expensive unsecured debt, enter expensive asset backed commercial paper programs, and issue capital and hybrid notes if it’s sitting well above capital adequacy requirements with 2 years of revenues on its balance sheet?


Zwischenzeitlich wird deutlich, dass es sich bei den Betrugsvorwürfen von Viceroy um eine Art konzertierte Aktion mehrerer involvierter Parteien handeln könnte unter Beteiligung verschiedene Hedgefonds und sogenannter Fachjournalisten. Für das Schreiben von Put-Optionen sollen in den letzten Tagen und Wochen Prämien von 10 Prozent für wenige Wochen Laufzeit angeboten worden sein. Seitens verschiedener Investmentbanken soll es heißen, dass man zuletzt keine Wertpapiere mehr habe leihen können. Der Markt soll systematisch leergefegt worden sein vor der Veröffentlichung der Viceroy-Vorwürfe.

Auf goodnews4.de-Anfrage sendete Dominika Kula, für die Aussichtsbehörde BaFin, Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht, heute diese Stellungnahme:

Wir werden den umfassend Report prüfen.

• Wir untersuchen die darin erhobenen Vorwürfe auf Marktmissbrauch. Unsere Analyse, die wir dazu unmittelbar nach Veröffentlichung des Reports gestartet haben, umfasst verschiedene Aspekte:
− mögliche Marktmanipulationen durch die Grenke AG, etwa durch unrichtige Informationen zu Bilanzierungssachverhalten,
− mögliche Marktmanipulationen durch Dritte, etwa in Form einer Shortattacke,
− mutmaßlicher Insiderhandel vor dem Erscheinen des Reports.

• Schreiben oder Emails von Herrn Perring liegen uns bislang nicht vor.

• Wir werden alle uns rechtlich zur Verfügung stehenden Instrumente nutzen, um mögliche Bilanzierungsverstöße und andere Vorwürfe schnellstmöglich aufzuklären.


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