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Lösung für Neues Schloss gesucht

Professor Mürb fordert "Aufhebung des Bebauungsplanes" für Neues Schloss - Runder Tisch mit Kretschmann und Oettinger - "Europäische Institution sollte im Schloss seinen Sitz haben"

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goodnews4-O-TON-Interview von Nadja Milke mit Robert Mürb

Baden-Baden, 19.10.2017, 00:00 Uhr, Bericht: Christian Frietsch «Das Mitglied der EU-Kommission und frühere Ministerpräsident des Landes Baden-Württemberg, Herr Günther Oettinger, war ebenso bereit, an einen Runden Tisch zu kommen wie der derzeitige Ministerpräsident Winfried Kretschmann», schreibt Professor Robert Mürb in einem offenen Brief an Oberbürgermeisterin Margret Mergen. Der gebürtige Baden-Badener und Vorsitzende des Vereins Landesvereinigung Baden in Europa fordert nun auch einen Runden Tisch um Bewegung in das festgefahrene Projekt Neues Schloss zu bringen.

Eine Abfuhr für diese Idee erhielt noch kürzlich FBB-Stadtrat Martin Ernst während einer Sitzung des Bauausschusses. Detailliert geht Robert Mürb auf seine Vorstellungen zu einem Runden Tisch ein: «Wir schlagen vor, dass vor diesem Runden Tisch der Entscheider die Nutzungsmöglichkeiten von einem Gremium von Gemeinderat, Verwaltung, und sachverständigen Bürgern (die Landesvereinigung Baden in Europa ist gerne zur Mitarbeit bereit) erarbeitet werden, die der derzeitigen Besitzerin unterbreitet werden sollten. Wir dachten z.B. an die Nutzung eines Schlossteils durch die Europäische Union, was gut zur Internationalität der Stadt passen würde, im Marstall-Gebäude und anderen Bereichen gastronomische Nutzungen wie bei der Landesgartenschau. Einige historische Räume von Bedeutung sollten vom Landesmuseum betreut werden und der Öffentlichkeit offen stehen. Der Schlossgarten, der ebenso unter Denkmalschutz steht, könnte über den Klostergarten an den Marktplatz angebunden werden und würde nicht nur die Altstadt, sondern die gesamte Stadt enorm aufwerten.»

Als konkrete Maßnahme hält Robert Mürb «eine Aufhebung des Bebauungsplanes» für «sehr wichtig, damit die Ernsthaftigkeit des Willens von Gemeinderat und Verwaltung der Stadt Baden-Baden der Besitzerin vor Augen geführt wird». Robert Mürb ist aber wohl klar, dass es ohne die Bereitschaft von Stadtverwaltung und Gemeinderat keine Gespräche und keinen Runden Tisch geben wird. Dies habe ihm unter anderen auch EU-Kommissar Günter Oettinger signalisiert. «Er war damals bereit, darüber mit der Stadt Baden-Baden zu verhandeln. Seine Bedingung war natürlich, dass die Stadt Baden-Baden, Gemeinderat, Oberbürgermeister und Verwaltung dies auch tatsächlich wünschen. Das Gleiche wurde mir gesagt bei der Landesregierung. Ich habe auch mit Herrn Ministerpräsident Kretschmann gesprochen.» Abschließend bietet Robert Mürb in seinem Schreiben an, «die genannten Herren, mit denen wir im Gedankenausstauch stehen», erneut anzusprechen.

Im goodnews4-O-TON-Interview ging Robert Mürb gestern auf die Irrungen und Wirrungen der letzten Jahrzehnte um das Neue Schloss ein. Das Neue Schloss habe «die höchste Denkmalschutzklasse» und hätte deshalb «eben auch vom Land entsprechend gekauft werden müssen» und das Land sei «hier nicht aus der Verantwortung zu entlassen», will Robert Mürb die Stuttgarter Landespolitiker auch jetzt nicht aus der Pflicht entlassen. Im weiteren Verlauf des goodnews4-O-TON-Interviews geht er auch auf geschichtliche, rechtliche und administrative Zusammenhänge um das nicht enden wollende Debakel um das Neue Schloss ein.

PDF Schreiben von Robert Mürb an OB Mergen


Abschrift des goodnews4-O-TON-Interviews mit Robert Mürb:

goodnews4: Das Neue Schloss in Baden-Baden ist ein Symbol für den Landesteil Baden mit seiner tausendjährigen Geschichte. Das Neue Schloss ist aber mehr zum Spekulationsobjekt verkommen. Was ist denn da schiefgelaufen?

Robert Mürb: Das ist leider so. Das lief damals schief, als das Land bereit war, das Neue Schloss zu kaufen und zugelassen hat, dass der Markgraf von Baden an einen Privaten, nämlich an einen Scheich aus Kuwait, das Neue Schloss verkauft. Wir haben das leider zu spät erfahren, sonst wären wir eingeschritten und hätten mit dem Land entsprechende Verhandlungen begonnen. Das Neue Schloss hat die höchste Denkmalschutzklasse und müsste deshalb eben auch vom Land entsprechend gekauft werden und das Land ist hier eigentlich nicht aus der Verantwortung zu entlassen.

goodnews4: Was ist denn da schiefgelaufen? Fehlt denn in Baden-Baden und auch in der Landespolitik das geschichtliche Bewusstsein und vielleicht auch ein kultureller Kompass?

Robert Mürb: Ja, zum Teil liegt das schon daran, insbesondere im badischen Landesteil. Im württembergischen Landesteil hat das Land sehr viel mehr Verständnis und hat deshalb auch sehr viel mehr Schlösser und Gärten unter seiner Obhut. In Baden hat man sich ja so lange gesträubt und ist sich absolut nicht bewusst, dass dieses Neue Schloss der Sitz der Markgrafen von Baden war, die Gründer dieses schönen Landes waren und dieses Schloss auch entsprechend bewohnt haben bis der so genannte Türken-Louis, also Ludwig von Baden, das neue Schloss in Rastatt gebaut hat. Es war immer bis in die jüngste Zeit, auch nach dem Zweiten Weltkrieg sogar noch, zum Teil Sitz der markgräflichen Familie.

goodnews4: Wissen Sie denn, ob es seitens der Landespolitik Bereitschaft gäbe für den von Ihnen geforderten Runden Tisch zum Neuen Schloss?

Robert Mürb: Ja, also vor wenigen Jahren, das sind etwa drei bis vier Jahre, haben wir darüber mit dem Land und vor allen Dingen mit dem ehemaligen Ministerpräsidenten Oettinger, der ja inzwischen Mitglied der Europäischen Kommission ist, gesprochen. Unsere Vorstellung war damals schon, dass eine europäische Institution in diesem Schloss seinen Sitz haben sollte. Das wäre sehr viel verträglicher als ein Hotel. Er war damals bereit, darüber mit der Stadt Baden-Baden zu verhandeln. Seine Bedingung war natürlich, dass die Stadt Baden-Baden, Gemeinderat, Oberbürgermeister und Verwaltung dies auch tatsächlich wünschen. Das gleiche wurde mir gesagt bei der Landesregierung. Ich habe auch mit Herrn Ministerpräsident Kretschmann gesprochen und man war damals bereit, über das Neue Schloss zu sprechen, um eine für alle befriedigende Lösung zu finden. Das Land ist sich, glaube ich, durchaus bewusst und hat vielleicht auch ein bisschen ein schlechtes Gewissen, dass es so ungleich mehr Schlösser und mehr kulturelle Bauwerke in Württemberg unterhält, als in Baden. Hier wäre also sicherlich eine Einigung möglich, vielleicht auch ein Teilkauf, also wir könnten uns vorstellen, und das haben wir auch an die Oberbürgermeisterin und an die Stadträte geschrieben, dass ein Arbeitskreis zustande kommen sollte, gebildet aus den Interessenten, um ein Konzept zu erarbeiten. Die Landesvereinigung wäre gerne bereit, daran mitzuwirken, dass historische Räume vom Landesmuseum betreut werden könnten und der Öffentlichkeit zugänglich wären, dass eine Gastronomie eingerichtet würde, ähnlich wie es bei der Landesgartenschau war, und so könnte man sich allerlei Nutzungen vorstellen, die sehr viel mehr dem Schloss und seiner Erhaltung dienen würden.

goodnews4: Aber nun ist es ja so, dass das Schloss im privaten Besitz ist. Was könnten denn die konkreten Schritte sein, die von einem Runden Tisch ausgehen?

Robert Mürb: Ja, dass man ein Angebot macht an die Besitzerin mit neuen Nutzungen, für die dann auch zum Beispiel Mieten bezahlt werden würden. Als Alternative wäre natürlich auch denkbar, wenn die Besitzerin bereit wäre, das Schloss und den Schlossgarten zu verkaufen, dass man eben dann ernsthaft mit dem Land darüber spricht, dass das Land Baden-Württemberg dieses Schloss kauft und dann selbst als Vermieter auftritt.

goodnews4: Vielen Dank für das Interview.

Das Interview führte Nadja Milke für goodnews4.de.

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