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Schadstoffmessungen in Baden-Baden

Schadstoffbelastung in Baden-Baden entlang B 500 - Tausendfüßler, Fürstenbergallee und Ebertplatz besonders betroffen

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goodnews4-VIDEO-Interview von Nadja Milke mit Roland Kaiser

Baden-Baden, 14.09.2018, 00:00 Uhr, Bericht: Christian Frietsch Die ungesündesten Wohngebiete in Baden-Baden ziehen sich entlang der B 500. Die Luftqualität an Autobahnzubringer, Fürstenbergallee und über den Ebertplatz hinaus zeigt ein rot-gelbes Band mit den vor sieben Jahren höchsten prognostizierten Schadstoffbelastungen für unsere Stadt. Darüber gibt eine Grafik Auskunft, die bereits aus dem Jahr 2011 stammt und gestern von Bürgermeister Roland Kaiser vorgelegt wurde.

«Die räumliche Verteilung der Gesamtbelastung für NO2», heißt es zum Kriterium der aufschlussreichen Karte, die dem Hauptausschuss des Baden-Badener Gemeinderats am 19. September 2011 vorgelegt worden war, aber nicht dazu führte, dass das Wohngebiet direkt neben dem sogenannten Tausendfüßler am Autobahnzubringer verhindert wurde.

Ursprünglich beabsichtigte ein Baden-Badener Tageszeitungsverlag dort zu bauen. Die Stadt machte das ehemals gewerblich genutzte Gelände zum Wohngebiet. Noch in der Amtszeit von Baubürgermeister Werner Hirth wurde das Projekt mit der stadteigenen Wohnungsbauprojekt GSE realisiert. Einzig der Mediziner und Stadtrat Heinrich Liesen, FBB, protestierte gegen die Umsetzung des Projektes und wies insbesondere auf die Gefahren für die Lungen von Kleinkindern hin. goodnews4.de berichtete.

Nun sollen neue Messungen aktuelle Erkenntnisse liefern, dazu Bürgermeister Roland Kaiser im goodnews4-VIDEO-Interview: «Also von den Schadstoffen interessieren uns insbesondere Feinstaub und Stickoxid. Wir haben ja zwei verschiedene Messreihen, die eine zur Überprüfung des Heilbad-Standortes und zum anderen freiwillig von der Stadt entlang der B500, wo wir ja aus dem Jahr 2011 Rechenwerte haben eines Ingenieurbüros, das in der Berechnung Spitzenwerte insbesondere an den Ampeln und Verkehrskreuzungen aufweist.» Zum Verfahren erklärt Roland Kaiser: «Wir haben verschiedene Messstationen, die wir vom Deutschen Wetterdienst ausgeliehen haben und für die der Deutsche Wetterdienst auch die Auswertungen übernimmt, von dem wir für die Messreihe von einem Jahr auch technisch betreut werden.» Dann ist zu hoffen, dass der Deutsche Wetterdient seinem Auftraggeber gegenüber mit guten und schlechten Ergebnissen gleichermaßen offen sein wird.

Mehr Informationen und Messergebnisse: PDF


Abschrift des goodnews4-VIDEO-Interviews mit Roland Kaiser:

goodnews4: Nach welchen Kriterien werden die Luftmessungen erhoben − also welche Schadstoffe werden erfasst?

Roland Kaiser: Also von den Schadstoffen interessieren uns insbesondere Feinstaub und Stickoxid. Wir haben ja zwei verschiedene Messreihen, die eine zur Überprüfung des Heilbad-Standortes und zum anderen freiwillig von der Stadt hier entlang der B500, wo wir ja aus dem Jahr 2011 Rechenwerte haben eines Ingenieurbüros, das in der Berechnung Spitzenwerte insbesondere an den Ampeln und Verkehrskreuzungen aufweist. Wir überprüfen sozusagen, ob diese Prognosen, diese Rechenwerte, sich auch in der tatsächlichen Messung bestätigen oder ob wir Abweichungen haben.

goodnews4: Wie werden die Werte technisch erfasst?

Roland Kaiser: Wir haben verschiedene Messstationen, die wir vom Deutschen Wetterdienst ausgeliehen haben und für die der Deutsche Wetterdienst auch die Auswertungen übernimmt, von dem wir für die Messreihe von einem Jahr auch technisch betreut werden. Wir haben wöchentlich einen Filterwechsel, spricht, es werden die Proben entnommen und eingeschickt zum Deutschen Wetterdienst und dort labormäßig ausgewertet.

goodnews4: Seit wann laufen diese Messreihen und wie lange werden sie dauern?

Roland Kaiser: Wir haben die Messstationen ja im April vorgestellt, die tatsächliche Messung läuft jetzt seit Mai für insgesamt ein Jahr. Wir werden im nächsten Jahr im Mai, Juni die Messreihe abschließen und dann auch das Endergebnis präsentieren. Wir haben jetzt nach dieses vier Monaten erste Zwischenergebnisse, die wir heute präsentiert haben, um − das war ja auch die Zusage − schon unter dem Jahr eine Transparenz und eine Tendenz sehen zu können.

goodnews4: Was ist denn die Tendenz aus der Auswertung der ersten vier Monate?

Roland Kaiser: Die Auswertung besagt jetzt, dass wir sowohl beim Heilbad als auch hier bei den Messungen an der B500 in fast allen Werten unterhalb der Richt- oder Grenzwerte sind. Wir haben eine einzige auf der Verkehrsinsel, also mittendrin in der Bundesstraße, da sind wir im Feinstaubbereich unterhalb des Grenzwertes, allerdings bei den Stickoxiden leicht drüber, also nicht in Dimensionen, wo wir uns gleich riesen Sorgen machen müssen, aber wir sind über diesem Grenzwert beim Stickoxid. Das überrascht nicht, weil bei den Berechnungen des Ingenieurbüros sind die Prognosen sogar an mehreren Hotspots entlang der B500, deshalb haben wir ja auch verschiedene Messpunkte und da war es jetzt eher, dass die Prognosen, dass wir überschreiten, nicht erfüllt sind, wir sind da überall drunter. Bezüglich der einen Messstation hier am Ebertplatz haben wir jetzt ergänzend hier beim fließenden Verkehr ein paar Meter weiter eine zusätzliche Station aufgebaut, um auch da dann valide Werte zu haben, ob es im fließenden Verkehr, 15 Meter daneben schon wieder unterhalb des Grenzbereichs ist. Wir wollen überprüfen, ist es ausschließlich die Ampelsituation oder ist es die Verkehrsdichte auch räumlich in einem größeren Bereich, dass wir den Grenzwert reißen. Sagen muss man aber ganz prinzipiell, dass wir jetzt in vier Sommermonaten gemessen haben und wir müssen davon ausgehen, dass bei Inversionswetter, also in der Zeit Dezember, Januar, Februar wir dann schon noch andere Messwerte haben werden. Insbesondere bezüglich den Heilbad-Richtwerten muss man sich da aber momentan überhaupt keine Sorgen machen, weil wir bei den Messwerte im unteren Bereich bei einem Drittel der zulässigen Richtwerte sind. Auch wenn es da über einzelne Wetterlagen zu schlechteren Ergebnissen kommt, haben wir da noch viel Abstand zu diesen Richtwerten. Das beruhigt uns jetzt mal so im ersten Eindruck, aber wie gesagt, wir müssen nachher über das ganze Jahr schauen das ist jetzt nur ein kurzes Zwischenergebnis von einem ersten Eindruck.

goodnews4: Denken Sie denn auch schon darüber nach, was mögliche Konsequenzen sein könnten, wenn Sie sagen, dass beispielsweise vor allem der Ebertplatz heraussticht?

Roland Kaiser: Ganz grundsätzlich geht es ja darum, wenn es sich bestätigen würde, dass wir in allen Bereichen so deutlich drunter bleiben, abgesehen vom Ebertplatz, dann ist die Konsequenz mal, dass wir den Titel Heilbad weiterführen dürfen, was wir uns ja erhoffen und wovon wir jetzt auch ausgehen. Wenn es nachher so wäre, dass wir tatsächlich nur diese Ampelsituation am Ebertplatz hätten, auch das wird ja in den Richtlinien besonders beleuchtet, sprich, davon ist auszugehen, dass wir diese Bereiche an den Ampeln haben. Da hätten wir auch eher die Sondersituation in Baden-Baden, dass wir eine der Städte sind, die lediglich einen Ausschlag hat. Das hängt ja damit zusammen, dass diese Basis des Ingenieurbüros mit den berechneten Werten unter anderem dazu geführt hat, dass Baden-Baden unauffällig ist in der Logik, was die Schadstoffbelastung angeht, und Baden-Baden deshalb keine Umweltzone ist. Wenn wir da die Bestätigung haben über unsere Messwerte, dass wir eventuell sogar noch weiter drunter sind, muss man immer sehen, in der Tabelle des Landes sind wir im hinteren Bereich, was die Belastungen angeht. Wir würden natürlich überprüfen, können wir hier oder da über Maßnahmen nochmals eine Optimierung erreichen, aber wir müssen realistisch sein, solange wir einen Autoverkehr haben, haben wir auch Schadstoffe und wir sind da im landesweiten Vergleich unter den letzten zehn Prozent, sprich, bei den umweltfreundlichsten Städten und da gilt es eher, daran zu arbeiten, dass wir diesen Platz halten. Aber wie gesagt, wir dürfen es jetzt auch nicht zu positiv sehen, wir schauen dann schon die Gesamtauswertung über das Jahr an und es ist davon auszugehen, dass in den Wintermonaten die Belastung höher ist als jetzt in den Sommermonaten.

goodnews4: Vielen Dank für das Interview.

Das Interview führte Nadja Milke für goodnews4.de.

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