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Streit um Erbe

Sparkassen-Mitarbeiter soll 850.000 Euro erben - 98-jährige Kundin ließ Testament kurz vor ihrem Tod ändern

Sparkassen-Mitarbeiter soll 850.000 Euro erben - 98-jährige Kundin ließ Testament kurz vor ihrem Tod ändern

Bericht: Christian Frietsch

Baden-Baden, 05.07.13, 03:00 Uhr Wer träumt nicht von einer großen Erbschaft mit der man möglichst ausgesorgt hat. Für einen Mitarbeiter der Sparkasse Baden-Baden Gaggenau könnte dieser Traum wahr werden, wenn es keine Zweifel an der Rechtmäßigkeit des Testamentes gäbe, nach welchem er fast das ganze Vermögen einer betagten Deutsch-Amerikanerin erben soll. Die damals 98-jährige Sparkassen-Kundin hatte ihr Testament nicht lange vor ihrem Tod zu Gunsten ihres Beraters geändert, der in der Sparkasse für «Private Banking» zuständig ist und die alte Dame 15 Jahre lang beraten haben soll. Zuletzt habe der Sparkassen-Mitarbeiter die alte Dame zu Beratungsgesprächen in ihrem Wohnheim in einem Baden-Badener Altenwohnheim besucht.

Die entsprechenden Unterlagen zu dem strittigen Fall liegen goodnews4Baden-Baden vor. Die gesetzmäßigen Erben haben Zweifel, ob es bei dem Fall mit rechten Dingen zugegangen ist, und haben das Testament angefochten. Das Baden-Badener Nachlassgericht ist nun mit dem Fall befasst. Der zuständige Nachlass-Richter Claudius Korch wollte gegenüber goodnews4Baden-Baden keine Stellungnahme abgeben. Erst bei einer strafrechtlichen Relevanz würde die Staatsanwaltschaft auch öffentlich Stellung nehmen. Nach einem im Auftrag des Nachlassgerichtes von einem Baden-Badener Rechtsanwalt erstellten Vermögensverzeichnis beläuft sich der Wert des Vermögens auf 856.237 Euro. Davon liegen bei der Sparkasse 146.559 Euro in einem Depot, 203.872 Euro auf einem Tagesgeldkonto, desweiteren 268.749 Euro auf einem Konto «Komfortsparen» und 133.031 Euro auf einem eine Konto «Zuwachssparen». Weitere Vermögenswerte liegen auf Sparbüchern. Der Stand der Vermögensbewertung stammt vom 25.02 2012. Die gesetzlichen Erben haben gegen den als Haupterben eingesetzten Mitarbeiter der Sparkasse Baden-Baden massive Vorwürfe erhoben. Angeblich soll dieser die alte Dame zur Änderung des Testaments bewogen haben und sei nach deren Ansicht auch bei der Vorbereitung des neuen Testamentes beteiligt gewesen. Die alte Dame hatte am 28. Oktober 2010 eine «letztwillige Verfügung errichtet», welche die gesetzliche Erbfolge ausschließt. Stefan Siebert, Vorstandsvorsitzender der Sparkasse Baden-Baden Gaggenau, sagte in einer telefonischen Stellungnahme gegenüber goodnews4Baden-Baden, dass er nur einen entsprechenden Fall aus dem Jahre 2007 kenne. In Fällen wie dem vorliegenden gebe es interne Verhaltens-Richtlinien für die Mitarbeiter der Sparkasse. Strenge Regelungen sieht der Gesetzgeber bei der Berufsgruppe der Altenpfleger vor, um Missbräuche zu verhindern. Ihren 100. Geburtstag sollte die alte Dame nicht mehr erleben, am 1. Februar 2011 starb sie in Folge eines Sturzes. Nur drei Monate nach Erstellung des neuen Testaments.