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Neues Theater-Programm vorgestellt

Umfrage Theater Baden-Baden bestätigt Vorurteil - Theater-Chefin Nicola May: "Die meisten unserer Besucher sind über 50 Jahre alt" - "Denkansätze und Denkanstöße" zum Motto "Erben" in neuer Spielzeit

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goodnews4-VIDEO-Interview von Nadja Milke mit Nicola May

Baden-Baden, 12.06.2018, 00:00 Uhr, Bericht: Christian Frietsch «Was bleibt von einem Menschen? Was möchten wir der Nachwelt hinterlassen? Was sollte erhalten werden?», keinen geringeren Anspruch als den Sinn des Daseins stellt sich die Baden-Badener Theater-Intendantin Nicola May für die neue Spielzeit. Und im goodnews4-VIDEO-Interview versucht Nicola May auch jene Menschen zu erreichen, denen es bisher nicht in den Sinn gekommen ist, einen Theaterbesuch als Alternative zu abendlichen Grill-, Fußball- oder Bildschirm-Angeboten zu sehen.

«Wir versuchen uns ja immer ein Thema zu überlegen, von dem wir glauben, dass es die Leute interessiert, auch wenn sie nicht im Theater sind, dass sie einfach von uns ein paar Denkansätze und Denkanstöße bekommen, die sie vielleicht auch mit nach Hause nehmen können», erklärt Nicola May. «Erben» heißt das Motto der neuen Spielzeit im Theater Baden-Baden.

Nach einer Statistik, die für Deutschland gilt, gehören nur 2,5 Prozent der Menschen zu regelmäßigen Theaterbesuchern. Für Baden-Baden würde dies bedeuten, dass etwa nur 1.000 Menschen von einer Subvention in Höhe von sechs Millionen Euro durch die Baden-Badener Steuergelder profitieren. Nicola May war dann auch nicht überrascht, dass das Theater überdies auch bei jüngeren Menschen nur wenig ankommt: «Was wir uns eigentlich schon dachten, aber wir wollten uns trotzdem nochmal vergewissern, dass die meisten unserer Besucher über 50 Jahre alt sind». Das Verständnis für das Zusammenspiel von Online-Medien, Social Networks und der Verteilung attraktiver News ist beim Theater Baden-Baden wohl schon angekommen und man tut auch einiges. «Aber nicht genug», ist Nicola May selbstkritisch.

Und was sollte man auf gar keinen Fall verpassen in der neuen Spielzeit? Die Baden-Württembergischen Theatertage werden «natürlich das Highlight», kündigt die Intendantin an und «eine Ausgrabung aus den 40er-Jahren: ‘Herzsprünge’», eine Uraufführung mit der Oper «Klara» und ansonsten gibt Nicola May alle Interessenten eine ganz einfache Empfehlung: «Das Spielzeitheft sich angucken, am 24. Juni um 11 Uhr zur Spielzeit-Matinee kommen, sich da die Stücke vorstellen lassen, gucken, was von dem allem am besten gefallen könnte.» Oder einfach hier klicken: PDF Neue Spielzeit im Theater Baden-Baden.


Abschrift des goodnews4-VIDEO-Interviews mit Nicola May:

goodnews4: Das Theater ist auch ein Spiegel der Menschen mit ihren Träumen, Sorgen, vielleicht auch ihren Ängsten. Wie nah ist das Programm für die neue Spielzeit des Theaters Baden-Baden an den Menschen?

Nicola May: Wir hoffen sehr nah. Wir versuchen uns ja immer ein Thema zu überlegen, von dem wir glauben, dass es die Leute interessiert, auch wenn sie nicht im Theater sind, dass sie einfach von uns ein paar Denkansätze und Denkanstöße bekommen, die sie vielleicht auch mit nach Hause nehmen können. Die Aufführung kann man ja nicht mit nach Hause nehmen, das ist ja die flüchtigste aller Künste, aber vielleicht den einen oder anderen Gedanken. In der nächsten Spielzeit haben wir uns ein Thema ausgesucht, was, glaube ich, sehr, sehr typisch ist für Baden-Baden oder ein wichtiges Thema ist für Baden-Baden, aber auch darüber hinaus oder für uns Menschen. Ich stehe jetzt gerade vor der schönen Kulisse Baden-Badens, die uns allen so gut gefällt und auf die wir alle stolz sind und die wir auch zu bewahren trachten. Aber was dieses Bewahren genau heißt − bedeutet es, es soll alles so bleiben, wie es ist, oder bedeutet es, man muss Dinge weiterentwickeln − und diesen ganzen Themenkomplex haben wir jetzt zusammengefasst unter dem Motto «Erben». Also ein ganz schlichtes Wort steht unserer Spielzeit voran. Das Erben oder auch die Erben. Natürlich hat es auch den aktuellen Anlass, dass ja Baden-Baden dabei ist, sich für das UNESCO-Welterbe zu bewerben. Aber ich glaube, dass dieses Spannungsfeld oder die Frage «Was lohnt es sich zu vererben?», «Was mache ich mit einem Erbe, das ich bekommen habe?» oder «Was mache ich, wenn ich etwas nicht bekomme, was ich mir wünschen würde?» und «Was würde ich selbst hinterlassen?», etwas ist, was schon eine Tragweite hat, was über diese Bewerbung hinausgeht.

goodnews4: Sie haben auch ihre Besucher konkret befragt zum Theater Baden-Baden. Was war das Ziel der Befragung uns was sind die wichtigsten Ergebnisse?

Nicola May: Wir haben zwei Befragungen gemacht. Das eine war eine ganz klassische, analoge, mit Karten durchgeführte Befragung, die einfach nur Basisdaten abgefragt hat. Die ist jetzt bis vor kurzem gelaufen und ist noch nicht ganz fertig ausgewertet. Da kommt raus, was wir uns eigentlich schon dachten, aber wir wollten uns trotzdem nochmal vergewissern, dass die meisten unserer Besucher über 50 Jahre alt sind, aus Baden-Baden und der Region kommen und der überwiegende Teil Frauen sind. Ein bisschen differenziertere Sachen − «Wie kommen denn die Leute zu unseren Informationen?», «Sollten wir mehr Onlineverbreitungswege suchen oder eher mehr noch bei den Printmedien bleiben», «Wie kommen die Leute ins Theater?», «Lohnt sich eine Kooperation für Parktickets oder kommen sowieso alle zu Fuß oder mit dem ÖPNV?» − diese Sachen sind noch in der Auswertung. Das war das eine. Das andere war eine unrepräsentative, kleine Online-Befragung auf unserer Website, mit der wir einfach mal so ein Stimmungsbild und ein paar Anregungen einholen wollten und unsere Zuschauerinnen und Zuschauer einladen, mal ein paar Dinge zu sagen. Das heißt, da haben also Leute teilgenommen, die erstmal Zugang zu einem Onlinemedium haben und auch Leute, die grundsätzlich ins Theater gehen oder eine gewisse Beziehung dazu haben. Das muss man einfach wissen, um das ein bisschen zu relativieren. Da haben 80 Leute dran teilgenommen, also eine überschaubare Zahl, und von diesen 80 haben vielleicht so im Schnitt 60 dann immer auf die Fragen geantwortet. Die Fragen waren inhaltlich nach beliebten oder weniger beliebten Stücken, nach Wünschen für ein Programm oder ob die Mischung stimmt, ob man ein Wunschstück hat, aber es waren auch Fragen nach der Infrastruktur, nach dem Ticketing, nach dem Handling der Abos. Wir haben uns ein paar Anregungen geholt für den Relaunch der Website, der gerade ansteht, und wir haben auch zu allen diesen Bereichen Anregungen und Anmerkungen bekommen. Man kann vielleicht zusammenfassend sagen: Die meisten Antworten waren sehr positiv und zugewandt, konstruktiv auch in der Kritik. Man kann sagen, dass wir grundsätzlich nicht viel falsch machen und dass sozusagen die Mischung oder die unterschiedlichen Meinungen auch ungefähr dem entsprechen, wie wir glauben, dass wir uns auch so positionieren. Was ich aber schon mitnehme ist, dass ich glaube, dass wir noch ein bisschen daran arbeiten können wie wir unser Angebot besser kommunizieren und auch transparenter machen, was wir eigentlich tun. Also zum Beispiel, dass doch viele Leute sagen: «Wir wünschen uns mehr Komödien», und es sind aber einige Komödien im Programm. Ich glaube, es ist nicht unbedingt, dass diese Leute sagen wir sollen nur Komödien spielen, aber sie wissen zu wenig, wie sie sich da orientieren können. Das ist eigentlich für mich die wichtigste Erkenntnis von dieser kleinen Befragung, insofern war es schon ganz interessant.

goodnews4: Als der Film, und damit das Kino, erfunden wurde, schien dies das Ende des Theaters. Als das Fernsehen erfunden wurde, dachte man das sei das Ende des Kinos. Nun, mit Erfindung des Internets, machen sich die Fernsehmacher Sorgen. So langsam wird den Menschen erst klar, dass das Internet eigentlich ja nur ein Übertragungsweg ist, auf dem alles zu finden ist − von der Tageszeitung, wie goodnews4.de zum Beispiel, bis zum Fernsehen, das man dort schauen kann oder Sendungen, die man später anschauen kann als zu den Sendezeiten. Nutzt das Theater das Internet genug, um Appetit zu machen zum Beispiel?

Nicola May: Vielleicht nicht genug. Wir sind ja schon dabei, unsere Website nochmal zu überarbeiten, es sind ja auch wirklich einige Jahre vergangen, seitdem wir die begonnen haben. Jetzt hat man natürlich auch andere Möglichkeiten. Wir haben ja zum Beispiel Videoclips, aber die sind vielleicht zu schlecht zu finden und auch dieser ganze Smart-Ticketing-Bereich, ich glaube, dass diese Dinge weiterentwickelt gehören. Was die Kunst betrifft, dazu glaube ich eigentlich zwei Dinge. Das eine ist, dass die Analogie des Theaters, das Live-Erlebnis, im selben Raum sein von Zuschauer und Darsteller, dass das eine ganz eigene Kraft hat, die sozusagen eigentlich nicht oder vielleicht nur temporär, wenn gerade etwas besonders interessant ist, beeinträchtigt wird durch das Internet. Und ich glaube auf der anderen Seite, dass man keine Angst davor haben sollte. Ich glaube auch, das nur so zu reduzieren auf die Verbreitungswege und das quasi zu benutzen wir ein Leporello oder eine Zeitung, das ist eigentlich viel zu wenig, weil wir kommunizieren ja genauso wie das Internet auch mit unseren Zuschauern. Es gibt auch sehr viele Gemeinsamkeiten. Ich glaube auch, dass man für die Bühne durch neue Medien nochmal ganz andere Dinge entdecken kann. Ich werde jetzt selber im Herbst, das beschäftigt mich natürlich gerade auch, den «Goldenen Topf» inszenieren mit einem Künstler-Kollektiv zusammen, die sich auf Virtual Reality im Theater spezialisiert haben, CyberRäuber heißen die zwei Jungs, und da möchte ich gerne verschiedene Elemente von Virtual, von Augmented oder Mixed Reality in einer Art bespielten Installation ins TIK zum «Goldenen Topf» stellen. Ich glaube, das tut uns sicherlich gut, überhaupt uns Theatern, wenn wir einfach irgendwie gucken, was kann man denn zusammen machen oder was bietet es auch für Möglichkeiten und sich nicht immer nur abgrenzt.

goodnews4: Und die wichtigste Frage zum Schluss: Was sollte man auf gar keinen Fall verpassen in der neuen Spielzeit?

Nicola May: Naja, also die Baden-Württembergischen Theatertage sind natürlich das Highlight für die nächste Saison, wo wir jetzt mit den Vorbereitungen starten, es dauert allerdings noch eine Weile bis die kommen, die sind ja jetzt erst in einem knappen Jahr. Ich glaube, wir haben bis dahin auch ein paar ganz gute Projekte, mit denen man sich die Wartezeit verkürzen kann. Ich würde sagen: Das Spielzeitheft sich angucken, am 24. Juni um 11 Uhr zur Spielzeit-Matinee kommen, sich da die Stücke vorstellen lassen, gucken, was von dem allem am besten gefallen könnte, und wenn man sichergehen will, kauft man sich ein Abo, natürlich. Wir haben zwei deutschsprachige Erstaufführungen in der Spielzeit. Eine Ausgrabung aus den 40er-Jahren ist dabei. Klingt neuer, als es ist. Es ist ein sehr interessantes Stück «Herzsprünge». Eine Uraufführung mit der Oper «Klara». Es ist etwas sehr Vielfältiges und, wie ich finde, etwas sehr Interessantes und auch für das Ensemble etwas sehr spielfreudiges. Es sind, glaube ich, tolle Rollen zu vergeben, Man kann die Schauspieler gut sehen in der nächsten Spielzeit.

goodnews4: Vielen Dank für das Interview.

Das Interview führte Nadja Milke für goodnews4.de.

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goodnews4-VIDEO-Interview von Nadja Milke mit Nicola May


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