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Tourismus Bilanz 2019 und Corona-Krise

Baden-Badener Tourismus-Chefin Waggershauser zum schwachen Jahr 2019 und zur Corona-Krise - "Wir haben Stornierungen, konkrete Zahlen sind noch schwierig"

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goodnews4-VIDEO-Interview von Nadja Milke mit Nora Waggershauser

Baden-Baden, 12.03.2020, 00:00 Uhr, Bericht: Christian Frietsch Die Corona-Krise trifft auch die Hotels und die Gastronomie in Baden-Baden hart und drängt andere Themen in den Hintergrund. Im goodnews4-VIDEO-Interview nahm Tourismus-Chefin Nora Waggershauser neben den Auswirkungen der Corona-Krise auch Stellung zum schwachen Abschneiden Baden-Badens bei den Übernachtungszahlen 2019.

Das Statistische Landesamt hatte für Baden-Württemberg einen Zuwachs von 4,2 Prozent ermittelt und sieht Baden-Baden mit nur 0,6 Prozent Wachstum auf den hinteren Plätzen. «Weil im Landesschnitt auch Städte dabei sind, die viele neue Hotels bekommen haben, Zuwächse im Drei-, Vier-, Fünf-Sterne-Bereich», erklärt sich Nora Waggershauser die Ursachen für das schwache Abschneiden Baden-Badens.

In der Neuausrichtung mit dem Motto «The good-good life» auf eine junge Zielgruppe sieht Nora Waggershauser keine Gründe für die Entwicklung des Tourismus in Baden-Baden. Die von der Baden-Badener Tourismus-Chefin analysierten Trends sprechen aber weniger für das «hippe» Publikum, auf das die neue Strategie abzielen soll: «Eine Überraschung war, dass wir ein gutes Wachstum auch im deutschen Markt haben, was so ein bisschen mit dem Heimat-Trend, glaube ich, verbunden ist.» So wird die Zukunft zeigen, ob der neue Party-Geist zwischen Roomers und Bernstein im staatlichen Casino auch neues Publikum nach Baden-Baden holt.

Für die nächsten Wochen, vielleicht sogar Monte, dürften die Folgen des Coronavirus alle anderen Fragen um die strategische Ausrichtung des Fremdenverkehrs in Baden-Baden in den Hintergrund drängen. Zur aktuellen Lage und den Buchungen in den Hotels konnte Nora Waggershauser gestern noch nicht viel sagen: «Wir haben auf jeden Fall Stornierungen, konkrete Zahlen sind noch schwierig.»

PDF Beschlussvorlage Bau-, Umwelt- und Umlegungsausschuss


Abschrift des goodnews4-VIDEO-Interviews mit Nora Waggershauser, Geschäftsführerin Baden-Baden Kur und Tourismus GmbH:

goodnews4: Nora Waggershauser, bei den noch vor der Corona-Krise veröffentlichten Zahlen liegt Baden-Baden deutlich unter dem Landesschnitt bei der Steigerung der Tourismuszahlen. Haben Sie dafür eine Erklärung?

Nora Waggershauser: Ja, mit dem Landesschnitt können wir uns immer nur ganz schwer vergleichen, weil natürlich im Landesschnitt auch Städte dabei sind, die viele neue Hotels bekommen haben, die Zuwächse im Drei-, Vier-, Fünf-Sterne-Bereich bekommen haben an großen Hotels und damit ist natürlich auch das Wachstum ein ganz anderes. Wachstum hat ja auch immer etwas mit Kapazität zu tun und da ist Baden-Baden jetzt in diesem Jahr kapazitätsmäßig nicht gewachsen, da können die Steigerungen dann nicht so groß sein wie in Städten wie Freiburg, Stuttgart, wo entsprechend auch Hotelkapazitäten hinzugekommen sind. Das ist zum Beispiel ein Grund, warum es da eben zu solchen großen Differenzen kommen kann.

goodnews4: Was sind denn für Sie die wichtigsten Erkenntnisse aus den Zahlen für 2019?

Nora Waggershauser: Also 2019 hat uns in zwei Dingen ein bisschen überrascht. Eine Überraschung war, dass wir doch ein gutes Wachstum auch im deutschen Markt wieder haben, was so ein bisschen mit dem Heimat-Trend, glaube ich, verbunden ist. Man merkt das ja auch im Schwarzwald, dass diese Bedeutung für die Deutschen auch höher wird, wieder im eigenen Land zu reisen. Dass wir das auch in Baden-Baden spüren, waren wir, gerade durch die große Internationalität, die wir über die Jahre aufgebaut haben, gar nicht mehr gewöhnt. Das ist ein sehr positiver Trend, den wir da erkennen können. Und im Bereich der Auslandsmärkte sind wir auch das eine oder andere Mal überrascht worden – positiv vom europäischen Ausland natürlich, dass da wirklich das Reiseverhalten sehr, sehr stabil war, dass Baden-Baden da eine Top-Destination war, aber dass wir eben, wie es uns auch über die Jahre geht, auch Märkte bearbeiten, wo wir leider gar keine so Steigerung haben, wie wir sie gerne hätten, und wo wir natürlich auch investieren und merken, dass einfach das ein unstabiler Markt ist. Wir haben natürlich durch den Brexit momentan ein Thema in UK, wir haben im asiatischen Bereich ein großes Thema gehabt – es gibt auch da immer wieder Überraschungen, die man natürlich anders plant, wo die Zahlen dann nachher einfach anders aussehen. Es gibt ganz viele positive Überraschungen, aber auch die eine oder andere negative Überraschung am Jahresende.

goodnews4: Die strategische Ausrichtung der Kur und Tourismus GmbH hat sich geändert, man setzt auch auf ein jüngeres Publikum, das bleibt aber nicht so lange wie das ältere Publikum. Denken Sie anhand der vorliegenden Zahlen auch über eine Korrektur nach?

Nora Waggershauser: Nein, also ich glaube, die Entscheidung war auf jeden Fall wichtig, weil letztendlich ist es natürlich so, dass uns das ältere Klientel ja auch irgendwann mal wegbleibt. Das heißt, wir müssen natürlich schon schauen, was kommt nach, und es ist schon wichtig, dass wir eigentlich für jede Altersklasse etwas bieten. Dass Baden-Baden da natürlich eben als Bäderstandort auch viel älteres Publikum hatte, ist wichtig und auch richtig, aber natürlich müssen wir auch schauen, was kommt von den Familien irgendwo nach. Ich glaube, durch das Produkt, das Baden-Baden mittlerweile hat, durch ein neues Casino im ganz modernen, neuen Look, durch neue Hotelkonzepte, durch neue Restaurantkonzepte natürlich auch, hat die Stadt sich ja verjüngt und das müssen wir nach außen tragen, weil letztendlich ist es natürlich für dieses Publikum wichtig zu sehen, hier gibt es solche Trend-Locations, die möchte ich gerne besuchen, weil sonst würden wir ja einfach uns versperren gegenüber einem Klientel, was wir auch brauchen. Aber Sie haben es gerade angesprochen, den Trend zum kürzer bleiben. Das ist etwas, was uns beschäftigt und es stimmt auch, je jünger man ist, je mehr reist man natürlich auch in mehrere Städte. Das ist aber etwas, was touristisch momentan einfach so ist, womit wir leben müssen und schauen müssen, ob wir das über Auslandsmärkte kompensieren können. Es gibt natürlich Märkte, die bleiben tendenziell länger in der Aufenthaltsdauer, und es gibt natürlich für uns wiederum Ansatz zum Marketing zu sagen, das ist natürlich für die Hotels und für die Unterkünfte attraktiv, wenn Gäste mehrere Tage in der Stadt bleiben.

goodnews4: Welche Märkte sind das, auf die Sie da besonders achten wollen?

Nora Waggershauser: Wir werden auf jeden Fall auf ein ganz stabiles Europa achten, dass wir wirklich in den Bereichen Schweiz, Spanien, Italien, Frankreich sehr, sehr gut vertreten sind, weil das sind Märkte, die uns schon lange sehr treu sind und die wir sehr gut ausbauen können. Wir müssen auch immer schauen, wo sind wir angebunden, also was macht der Flughafen – Tel Aviv als neue Anbindung, Moskau war da mit dabei – das ist natürlich für uns auch immer wichtig, weil die Gäste müssen auch gut nach Baden-Baden kommen. Aber wir werden uns auch neuen Trend-Themen widmen müssen, neuen Märkten, auch kleinen Märkten teilweise – Brasilien, die Ukraine – also es gibt da auch Märkte, die für uns interessant sind, und die gilt es einfach neu zu erschließen.

goodnews4: Die Auswirkungen der Corona-Epidemie sind noch nicht überschaubar, aber spürbar. goodnews4.de hat Interviews mit Frank Marrenbach und anderen Hotelmanagern veröffentlicht. Wie stellt sich für Sie die Lage dar in Baden-Baden? Haben Sie schon konkrete Zahlen über Stornierungen?

Nora Waggershauser: Wir haben auf jeden Fall Stornierungen, konkrete Zahlen sind noch schwierig, weil ja auch selbst die Monatsstatistik noch nicht vorliegt, es hat jetzt ja eigentlich gerade begonnen mit Corona. Wir haben Einbußen natürlich im Kongresshaus, was Kongresse angeht, auch was internationale Veranstaltungen angeht, da sind die ersten Absagen in den letzten 14 Tagen schon eingetreten. Jetzt geht es natürlich um die Wochen rund um Ostern, wo die Kunden nicht wissen: Können sie ihren Kongress veranstalten, müssen sie noch absagen? Also es ist momentan so ein bisschen eine Entscheidung von Tag zu Tag, aber dadurch, dass uns da auch Stornierungen vorliegen, wissen wir natürlich, dass wir schon Auswirkungen haben. Und auch in der Hotellerie ist es so, dass eben der Individualreisegast momentan nicht bucht. Das ist ein Thema, dass natürlich der Buchungsstopp so ein bisschen eingetreten ist und eben auch individuelle Gäste natürlich mal ein Wochenende stornieren oder einen Aufenthalt. Also auch da hört man natürlich schon, dass es zu einigen Stornierungen gekommen ist. In der Zahl lässt sich das noch nicht sagen, das werden wir erst noch spüren, aber es sind auf jeden Fall natürlich spürbare Folgen, die da auch für Baden-Baden zurückbleiben.

goodnews4: Sie sind ja auch Geschäftsführerin der Kongresshaus GmbH, wie viele Absagen für Kongresse und Tagungen liegen denn vor und können Sie sagen, wie viele Personen das betrifft?

Nora Waggershauser: Also momentan wurden bisher zwei* Veranstaltungen abgesagt. Das klingt jetzt noch sehr wenig, das waren zwei Veranstaltungen mit 200 bis 300 Personen, das, denkt man, ist jetzt sehr überschaubar, aber es stehen auch zwei große wiederkehrende Kongresse an die nächsten Wochen und wir gehen einfach aufgrund der momentanen Situation davon aus, dass es eben auch schwierig sein wird, diese durchzuführen für den Veranstalter und dass es da wahrscheinlich verstärkt zu Absagen kommt. Ich muss allerdings auch sagen, wir haben auch Veranstaltungen, die momentan stattfinden. Also auch das gibt es. Gerade auch kleinere Kunden, die sagen: «Ich komme mit 100,150 Personen wie geplant, ich habe natürlich besondere Vorkehrungen, die ich treffe.» Da sind die Kunden sehr, sehr gut auch informiert und kümmern sich auch um die Situation. Zwei Absagen klingt wenig, ich denke, wenn Sie mich in ein paar Wochen fragen, sind die Zahlen natürlich dann deutlich höher.

goodnews4: Wie steht es denn mit der Baden-Baden Events, auch da sind Sie verantwortlich für die Veranstaltungen im Kurhaus Baden-Baden? Nun soll auch in Baden-Württemberg die Grenze für Veranstaltungen bei 1.000 Personen liegen – da liegen Sie wohl meist drunter, aber wie gehen Sie mit den Veranstaltungen um, welche Maßnahmen ergreifen Sie zum Schutz der Gäste?

Nora Waggershauser: Es ist so, dass wir manchmal drunter liegen, manchmal nicht, wir haben Veranstaltungen schon auch über 1.000 Personen, die natürlich jetzt künftig nicht stattfinden können. Wir haben für den Herbst auch gerade ein großes Konzert in den Verkauf genommen, das sicherlich normal bis über 1.000 Personen verkauft werden würde, das haben wir jetzt mal gestoppt auf 600 bis 700, weil wir einfach mal schauen, ob es da vielleicht noch möglich wäre. Wir entscheiden von Tag zu Tag, machen Risikobewertungen für unsere Veranstaltungen und gehen die dann auch konzeptionell an: Was können wir durchführen, unter welchen Umständen können wir es durchführen? Muss es Programmänderungen geben, muss es Bestuhlungsänderungen geben? Was können wir im Bereich der Hygiene machen? Wie können wir versuchen sicherzustellen, dass gerade Urlauber, die in einer Region waren, wo Corona schon sehr verstärkt aufgetreten ist, in einem Risikogebiet, dass sie vielleicht nicht die Veranstaltung besuchen? Also wir haben sehr viele Maßnahmen, die wir im Vorfeld durchführen, und entscheiden tatsächlich für jede Veranstaltung im Einzelnen. Momentan kann ich ihnen nur sagen, dass das Jazz Festival ab Donnerstag, Freitag, Samstag stattfinden wird und wie es die nächsten Wochen weitergeht, werden wir wirklich auch tagesaktuell entscheiden müssen, sprechen uns mit dem Gesundheitsamt ab, verfolgen die Reglungen des Robert Koch Instituts, die ja da auch sehr hilfreich sind, um Entscheidungen zu treffen und bewerten wirklich jede Veranstaltung neu.

goodnews4: Was raten Sie nun den Baden-Badener Hotelbetreibern und Gastronomen in dieser schwierigen Zeit?

Nora Waggershauser: Durchhalten, würde ich raten. Ich denke, es ist auf jeden Fall so, dass viele Stammgäste nach wie vor Essengehen, sich auch in Baden-Baden aufhalten werden, ich hoffe auch, dass die eine oder andere Geburtstagsfeier stattfinden wird, dass das eine oder andere kleine Firmenzusammentreffen auch stattfinden wird. Wie sich die nächsten Wochen entwickeln, wissen wir nicht. Ich glaube, wir haben sehr gute Hoteliers und Gastronomen, die solche Krisensituationen auch immer mal wieder zu anderen Themen durchgemacht haben, die natürlich auch mit ihren Mitarbeitern besprechen: Wer kann jetzt vielleicht in den Urlaub gehen? Was kann man machen, um auch finanziell zu schauen, dass man solche Zeiten gut überlebt? Aber mein Rat kann eigentlich nur sein: Durchhalten! Ich denke, vielleicht wird das zum Sommer schon wieder besser. Wir müssen abwarten, aber ich denke, wir werden in Baden-Baden auch diese Situation zusammen meistern.

goodnews4: Vielen Dank, Nora Waggershauser.

Nora Waggershauser: Danke schön, Frau Milke.

Das Interview führte Nadja Milke für goodnews4.de.

* Auf nochmalige Nachfrage korrigierte die Kur und Tourismus GmbH die Zahl auf vier Absagen.

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goodnews4-VIDEO-Interview von Nadja Milke mit Nora Waggershauser


Aktuelle Informationen des Robert-Koch-Instituts zur Corona-Situation in Deutschland

Aktuelle Informationen des Bundesgesundheitsministeriums zur Corona-Situation in Deutschland

Aktuelle Informationen des Landratsamtes Rastatt zur Corona-Situation in Baden-Baden und im Landkreis Rastatt

Aktuelle Informationen des Klinikums Mittelbaden zur Corona-Situation in Baden-Baden und im Landkreis Rastatt

Aktuelle Informationen der Johns Hopkins University zur Corona-Situation weltweit

Aktuelle Informationen der WHO zur Corona-Situation weltweit


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