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Wohnbauprojekt "Am Tannenhof"

Komplikationen auf altem Baden-Badener SWR-Gelände – Epple-Unternehmenssprecher Rabl: "Der Felsen muss auf jeden Fall weg" – Warten auf ein Gutachten

Komplikationen auf altem Baden-Badener SWR-Gelände – Epple-Unternehmenssprecher Rabl: "Der Felsen muss auf jeden Fall weg" – Warten auf ein Gutachten
Der Fels muss weg von der Baustelle "Am Tannenhof". Das Wie soll sich Anfang der nächsten Woche klären.

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goodnews4-AUDIO-Interview von Nadja Milke mit Herbert Rabl

Bild Christian Frietsch Bericht von Christian Frietsch
23.05.2020, 01:00 Uhr



Baden-Baden Der SWR-Grundstücksverkauf beschert der Baden-Badener Innenstadt das größte Wohnbauprojekt in seiner Geschichte. Für den Heidelberger Grundstückskäufer und Investor beginnt ein buchstäblich steiniger Weg bis zu den geplanten 380 Wohnungen, die auf dem ehemaligen Gelände der einstmals stolzen Studios entstehen sollen.

«Nachdem wir die Überraschung verdaut haben, dass da so ein riesiger Felsbrocken liegt, müssen wir uns überlegen: Wie geht der Felsen weg?», grübelt Herbert Rabl im goodnews4-AUDIO-Interview noch über den besten Weg wie der Fels aus dem Weg geräumt werden könnte. goodnews4.de berichtete bereits.

Sorgen machen sich die bei einer solch großen Baustelle zwangsläufig geplagten Anwohner, die erneute, lästige, lärmende Sprengungen befürchten. «Der Felsen muss auf jeden Fall weg», macht Herbert Rabl keine Hoffnung auf einen komplikationslosen Weg. Um den Fels «abzutransportieren und hochzuheben auf einen Tieflader» sei zu schwer. «Wir müssen ihn also in irgendeiner Form zerstören.» Zwei Möglichkeiten würden im Raum stehen, die diskutiert worden seien. «Das eine ist Zermeißeln, das sind so Spitzmeißel, die man an einen großen Bagger dranhängt und dann zermeißelt der den Fels in lauter kleine Brocken. Oder dass man ihn sprengt.»

Die Meinungsbildung sei noch nicht abgeschlossen, sagte Herbert Rabl zum Stand der Güterabwägung zwischen den möglichen Verfahren. Es sehe aber so aus, «als ob unser Unternehmen das Sprengen befürworten würde», stellte der Unternehmenssprecher eine Prognose. Abwarten wolle man aber ein Gutachten, das schon Anfang der Woche vorliegen soll.


Abschrift des goodnews4-AUDIO-Interviews mit Herbert Rabl, Sprecher des Unternehmens Epple in Heidelberg:

goodnews4: Herr Rabl, wie geht es denn jetzt auf der Baustelle «Am Tannenhof» nach der Entdeckung des Felsens konkret weiter?

Herbert Rabl: Nachdem wir die Überraschung verdaut haben, dass da so ein riesiger Felsbrocken liegt, den wir in den Voruntersuchungen nicht gesehen haben – oder besser gesagt nicht draufgebohrt haben, sonst hätten wir ihn ja gesehen und gefunden – jetzt müssen wir uns überlegen: Wie geht der Felsen weg? Der Felsen muss auf jeden Fall weg. Um ihn abzutransportieren, hochzuheben auf einen Tieflader oder so, ist er zu schwer. Wir müssen ihn also in irgendeiner Form zerstören. Da gibt es jetzt zwei Möglichkeiten, die in der Vergangenheit diskutiert worden sind. Das eine ist Zermeißeln, das sind so Spitzmeißel, die man an einen großen Bagger dranhängt und dann zermeißelt der den Fels in lauter kleine Brocken. Oder dass man ihn sprengt. Die Meinungsbildung ist noch nicht abgeschlossen. Es sieht aber so aus, also ob unser Unternehmen das Sprengen befürworten würde. Das müssen wir aber noch abschließend klären. Wir haben jetzt ein Gutachten in Auftrag gegeben und das Gutachten werden wir Anfang der nächsten Woche bekommen und dann wissen wir es genau.

goodnews4: Welches Ziel hat das Gutachten?

Herbert Rabl: Das Gutachten muss klären, ob in dieser Lage in Baden-Baden – im Umkreis sind ja Wohnhäuser, von diesen Wohnhäusern haben wir teilweise eine Gebäudesicherung schon gemacht – ob die anderen Häuser, die da im Umfeld sind – da ist der SWR, da sind Wohnhäuser im Bereich – in irgendeiner Form durch die Sprengung gefährdet sein könnten oder nicht. In der Vergangenheit war es ja so, bei der neuen Funkhaus-Baustelle wurde ja sehr viel gesprengt. Das war insofern jetzt nicht so problematisch, weil nur das Funkhaus quasi daneben war und man da die massive Bauweise kannte. Jetzt haben wir eine andere Situation, dass im Umfeld unterschiedliche Häuser sind, teilweise auch denkmalgeschützte Häuser. Das müssen wir uns angucken. Es gibt die pauschale gutachterliche Aussage, dass alles, was im Umkreis von 50 Meter und mehr ist, dass das durch so eine invasive Sprengung nicht gefährdet ist. Das wollen wir aber schriftlich haben und wenn wir das schriftlich haben, dann würden wir auch empfehlen zu sprengen, aber das würden wir erstmal den Anwohnern genau nochmal vorstellen, damit die wissen, was wir tun und warum wir das tun wollen.

goodnews4: Was sind jeweils die Vor- und Nachteile – vor allem für die Anwohner – der infrage kommenden Verfahren Sprengung oder Zermeißeln?

Herbert Rabl: Der Fels ist ja riesig groß – ich hoffe, Sie zeigen in Ihrem Sender auch nochmal ein Bild. Aber der Fels ist so groß, dass, wenn man ihn zermeißelt, muss man sich vorstellen da kommt ein Spitzmeißel, der quasi Stückchen für Stückchen runtermeißelt, da meißeln sie an so einem großen Stein zwei Wochen, und zwar acht Stunden am Tag. Das bedeutet eine wahnsinnige Lärmbelastung für die Nachbarn, das bedeutet aber auch für den Baggerfahrer, der das macht, eine ständige körperliche Erschütterung. Das ist nicht, dass man mal so einen Stein zermeißelt, sondern das ist ja dann eine Meißelarbeit von eben zwei bis drei Wochen. Das ist für alle Beteiligten eher schwierig, es ist möglicherweise billiger als Sprengen. Sprengen würde bedeuten man setzt bestimmt Bohrlöcher, in diese Bohrlöcher macht man eine Sprengladung rein und zersprengt den Stein mit drei oder vier solchen Sprengvorgängen. Normalerweise müsste das eigentlich die einfachere Methode sein, in zwei, drei Wochen sind das dann vielleicht insgesamt zehn Minuten Sprengvorgang und der Rest ist einfach nur Abtransport von den Splittern. Aber das müssten wir herausfinden, ob wir diese Form wählen können. Wenn wir diese Form wählen können, dann wäre die natürlich für alle Beteiligten die einfachere, die bequemere Form, weil das Sprengmaterial würde denn den Stein sozusagen zerhauen und dann könnte man die einzelnen Steinsplitter problemlos mit dem Bagger abtransportieren.

goodnews4: Welche nächsten Baufortschritte liegen denn schon in der Terminierung fest?

Herbert Rabl: Wir liegen momentan noch ganz normal im Zeitplan. Die Entwicklung war ja so, dass erstmal der ganze Dettenbach gesichert werden musste und auch sollte durch eine quasi Notverdolung, die irgendwann, wenn das alles fertig ist, dann umgeschaltet wird in ein oberirdisches Bachbett. Das ist zusammen mit dem Abräumen der Baustelle, sprich abreißen, alles passiert, ist auch schon eine Weile lang vorbei und jetzt graben wir uns Meter für Meter, insgesamt sechs Meter tief ungefähr in den Boden hinein, um dann quasi die Tiefgarage auszuschachten. Da wird also immer ein bisschen etwas von der Seitenwand weggenommen, dann wird das mit Beton abgespritzt, dann werden so kleine Anker hineingebohrt in das Erdreich, die werden wieder mit Beton verfüllt und auf diese Art und Weise stabilisiert sich quasi die Seitenwand der künftigen Tiefgarage. Und beim Runtergraben in diesen Bereich der Tiefgarage hinein hat man jetzt diesen Felsen entdeckt und hat sich überlegt: Was machen wir mit dem? Und an dem Punkt sind wir jetzt und wenn der Felsen weg ist, dann wird die Tiefgarage fertig ausgeschachtet und dann geht es ja als nächstes schon mit dem Rohbau weiter.

goodnews4: Wann wird denn die Entscheidung gefallen sein, ob Sprengung oder Zermeißeln?

Herbert Rabl: In den ersten drei Tagen der nächsten Woche. Wir warten das Gutachten ab, das Gutachten ist uns für Montag zugesagt, dann werde ich vermutlich eine Nachbarschaftsinformation schreiben, warum wir es uns so und so vorstellen. Nach dem derzeitigen Stand der Dinge werden wir versuchen, das so wenig invasiv wie möglich zu machen, dann möchten wir die Nachbarschaft informieren und dann werden wir wahrscheinlich loslegen. Der ganze Kladderadatsch, wenn ich das mal so sagen darf, ist ja dadurch entstanden, dass ich in den letzten zwei Jahren mich immer bemüht habe, die Nachbarschaft rechtzeitig zu informieren und auch in die Entscheidungsprozesse, die da passieren am Baufeld, – wann geht es los, wie geht es weiter? – einzubinden, und dann eben dummerweise der von unserem Subunternehmer beauftragte Sprengmeister einfach einen Brief rumgeschickt und hat gesagt: Anfang Juni wird gesprengt. Und da sagen die Nachbarn natürlich zu Recht: Was soll das? Wir kriegen hier einfach mitgeteilt es wird gesprengt, wir kriegen keine ausreichende Begründung und so weiter. Das kann ich schon verstehen, dass das vor dem Hintergrund der bisher gepflegten Kultur nicht so gut angekommen ist. Und deshalb müssen wir das jetzt reparieren und ich hoffe, dass wir das auch gut hinkriegen mit der Reparatur, auch in Richtung Nachbarschaft, weil dass wir die Menschen da beeinträchtigen mit einer großen Baustelle ist klar, und das einzige, was ich als Mittel in der Hand habe, ist, dass ich möglichst klar kommuniziere: Was kommt als nächstes, wie geht es weiter, mit was müsst ihr demnächst rechnen, wann ist möglicherweise ein bisschen Entspannung auf dem Baufeld? Und mein Interesse ist, dass wir so schnell wie möglich mit den Erdarbeiten fertig werden, weil wenn wir dann mit dem Rohbau rausgehen aus der Erde, dann ist alles viel ruhiger und viel gechillter als wenn wir da am Felsen zermeißeln oder sprengen müssen.

goodnews4: Ich bedanke mich für das Interview, Herbert Rabl.

Herbert Rabl: Gut, gerne.

Das Interview führte Nadja Milke für gooodnews4.de

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goodnews4-AUDIO-Interview von Nadja Milke mit Herbert Rabl


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