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Streit um Synagogen-Standort

Baden-Badener Juden erhielten Absage aus dem Rathaus - Kein Grundstück für neue Synagoge - OB-Sprecher: "Die Stadt konnte der Gemeinde nichts anbieten" - Beispiel Regensburg: Stadt beteiligt sich mit zwei Millionen Euro

Baden-Badener Juden erhielten Absage aus dem Rathaus - Kein Grundstück für neue Synagoge - OB-Sprecher: "Die Stadt konnte der Gemeinde nichts anbieten" - Beispiel Regensburg: Stadt beteiligt sich mit zwei Millionen Euro
Die Synagoge in der Werderstraße ist längst zu klein geworden für die jüdische Gemeinde Baden-Baden, wie bei der feierlichen Übergabe der neuen Torarolle im Januar. Foto: goodnews4-Archiv

Baden-Baden, 02.02.2018, 00:00 Uhr, Bericht: Christian Frietsch Die Hintergründe für den Streit um den Standort der geplanten neuen Synagoge erhellen sich etwas nach einer Stellungnahme des Baden-Badener Rathauses gegenüber goodnews4. Zu dem bei jüdischen und nichtjüdischen Bügern umstrittenen Standort am Autobahnzubringer in der Fürstenbergallee kam es offenbar nach einer Absage des Baden-Badener Rathauses.

Auf Anfrage von goodnews4 teilte Roland Seiter, Pressesprecher der Stadt Baden-Baden mit, dass es von jüdischen Mitbürgern eine Anfrage an das Rathaus gegeben habe, bei der Grundstücksuche für den Bau einer neuen Synagoge zu helfen. Der genaue Wortlaut der Antwort des Baden-Badener Rathauses: «Bei einem Termin mit Frau Mergen informierte die jüdische Gemeinde über den Wunsch eine Synagoge zu bauen und bat darum, bei der Grundstückssuche zu helfen bzw. ein stadteigenes Grundstück zur Verfügung zu stellen. Dieser Wunsch wurde verwaltungsintern geprüft. Ein geeignetes Grundstück konnte nicht gefunden werden, somit konnte die Stadt der Gemeinde nichts anbieten. Die Verwaltung empfahl der jüdischen Gemeinde, sich auf dem privaten Markt umzuschauen.»

Die Badischen Neuesten Nachrichten hatten in ihrer Ausgabe vom 29. Dezember 2017 von dem umstrittenen Standort der geplanten Synagoge berichtet. Ruben Schuster, Vorstand der Israelitischen Kultusgemeinde und Mitinitiator des «Aktionskreis Neue Synagoge Baden-Baden» wurde aus seinem Schreiben an den Ersten Bürgermeister Alexander Uhlig zitiert. «Durch den geplanten Standort am Rande der Innenstadt würde ein falsches gesellschaftspolitisches Zeichen gesetzt», hatte Ruben Schuster auf die Symbolkraft des Standortes aufmerksam gemacht. Das Schreiben von Ruben Schuster wurde auch von goodnews4.de veröffentlicht. In einem goodnews4.de vorliegenden Antwortschreiben von Alexander Uhlig heißt es, dass die «Angelegenheit in gemeinderätlichen Gremien» angesprochen worden sei. Welche Gremien mit dem Vorgang befasst waren, geht aus dem Schreiben von Alexander Uhlig nicht hervor.

Im goodnews4-VIDEO-Interview hatte sich, neben Vertretern der jüdischen Gemeinde Baden-Baden, auch Rami Suliman, Vorsitzender des Oberrats der Israelitischen Religionsgemeinschaft Baden, grundsätzlich auch für einen Standort in der Innenstadt von Baden-Baden ausgesprochen: «Juden ziehen die Lage ihrer Synagoge fußläufig in der Stadtmitte immer einer Randlage vor.» Mit Blick auf die Kosten eines Grundstücks auf dem freien Markt hatte Rami Suliman erklärt: «Die wirtschaftlichen Mittel der IRG Baden sind begrenzt. Für einen Grundstückserwerb und einen Synagogenneubau im Herzen der Stadt Baden-Baden würden erhebliche Mittel benötigt, die unsere Möglichkeiten übersteigen könnten.» goodnews4.de berichtete.

Ein Blick beispielsweise nach Regensburg lohnt sich. Dort gibt es ein klares Engagement der Stadt Regensburg und auch eine breite Beteiligung der Öffentlichkeit. Auf der Internetseite synagoge-regensburg.de findet sich diese Information zu dem aktuellen Projekt: «Die Synagoge der jüdischen Gemeinde Regensburg am Brixener Hof wurde in der Pogromnacht 1938 zerstört, die Juden wurden aus Regensburg vertrieben. Am 23. Februar 2019 soll die neue Synagoge mit Gemeindezentrum für die jüdische Gemeinde Regensburg eröffnet werden, sagt Dieter Weber, Vorsitzender des Fördervereins Neue Regensburger Synagoge. Baubeginn war 2016. Die Kosten werden auf rund 8 Millionen Euro beziffert, davon 5,5 Millionen für den Neubau und 2,5 Millionen für die Renovierung des denkmalgeschützten Altbaus. 3,3 Millionen Euro kommen aus Bundesmitteln (Städtebauförderung). Die Stadt Regensburg beteiligt sich mit 2 Millionen Euro und der Freistaat Bayern mit 1,25 Millionen. ‘Die restlichen Mittel müssen als Eigenmittel beziehungsweise teilweise aus Zuschüssen zur Verstärkung der Eigenmittel erbracht werden. Hierbei sind natürlich auch alle Spendenmittel enthalten’, erklärt Weber. Eine Million Euro werden noch benötigt.»


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