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Leserbrief

Leserbrief „Meine Meinung“ – „Erbärmlich: Henn hat Neiddebatte losgetreten“ – „Zum Autokorso der Reichen und der Reaktion von Herrn Henn darauf“

Baden-Baden, 12.04.2019, Leserbrief In einem Leserbrief an die Redaktion nimmt goodnews4-Leser Gerd Weismann Stellung zu dem goodnews4-Bericht Gestörter Sonntagsfrieden in Baden-Baden − Empörter Werner Henn schreibt Brief an OB Mergen − «Stadt von Horde übermotorisierter Wichtigtuer überschwemmt».

Lieber Herr Henn,

angesichts der wirklich umwerfend glamourösen Parade des Reichtums mit einer prächtigen Armada von Rolls Royce, Ferrari und Bentley, ist es nicht verwunderlich, dass es einem im Vergleich dazu armen Schlucker wie Ihnen bitter aufstößt nicht dazu zu gehören. Empörung, Anzeige, Polizeieinsatz, juristische Verfolgung – dass nicht gleich die Bevölkerung zum bewaffneten Widerstand und zur sofortigen Enteignung der «Bösewichte» aufgerufen wird, ist alles.

Lieber Herr Henn, worum geht es bei Ihnen eigentlich? Das scheint ja sehr tief verwurzelt zu sein und kommt wahrscheinlich aus einer vermutlich nicht überwundenen kommunistischen Kinderstube.

Da kommen endlich mal die Reichen und Schönen in hellen Scharen nach Baden-Baden und stellen ihren Reichtum und Ihre Schönheit öffentlich, spontan, ganz ungezwungen und mit fast kindlicher Freude zur Schau. Ja, und das sollen sie auch, denn gerade von und in Baden-Baden wird so etwas von ihnen erwartet. Und sie dürfen es auch, weil wir zum großen Glück für uns alle in einer freiheitlichen Gesellschaft leben, die den unermesslichen Reichtum einzelner genauso erlaubt, wie die bittere Armut unermesslich vieler und leider aber auch die erbärmliche Aussichtslosigkeit der verprellten Mittelschichts-Neider, die gerne dabei wären, aber nie wirklich dazu gehören zu dürfen. Und wo denn sonst, Herr Henn, wenn nicht in Baden-Baden, der Stadt mit der höchsten Millionärsdichte in Süddeutschland. Baden-Baden ist nun mal das Mekka der Reichen und Schönen, und wenn diese beiden Dazugehörigkeits-Kriterien auf Sie nicht zutreffen und sie sich fremd in dieser Umgebung fühlen, dann können sie ja die Konsequenz ziehen und nach Malsch oder Muggensturm umsiedeln – auch das erlaubt unsere freiheitliche Gesellschaft. Mal Hand aufs Herz, lieber Herr Henn, wären Sie der stolze und reiche Besitzer einer Rüstungsfirma, eines Massentierhaltungsbetriebes, einer Monsanto-Chemiefabrik, eines Kohleverstromungs- oder Atomkraftwerks, einer Plastiktütenfabrik, einer Mietwohnungsgesellschaft oder einer T-Shirt-Kette die in Pakistan produzieren lässt, dann würden Sie mit Sicherheit nicht in solchen überkommenen Neidvorstellungen leben, sondern sich mit überschäumender Freude der Parade anschließen und ebenfalls die Ferrari-Sau raus und die Champagnerkorken knallen lassen.

Ich jedenfalls bin neidlos froh, obwohl ich auch nicht dazu gehöre (weshalb ich auch vernünftigerweise in Neuweier und nicht in Baden-Baden wohne), dass das Geld sich heute nicht mehr demütig hinter dichten Zäunen und hohen Mauern oder auf irgendwelchen Hochsee-Yachten im Mittelmeer verstecken muss (was schon auch deshalb nicht mehr schön ist, weil man ständig an ertrinkenden Flüchtlingen vorbeisegeln muss), sondern die reiche Super-Elite endlich hier vor Ort demonstriert was sie drauf und drin hat, was sie kann und darf und was sie besitzt und beherrscht und um all das zu zeigen dafür auch öffentlich und ganz ungeniert auf den Putz haut. Das ist prima und gehört staatlich gefördert und nicht auch noch juristisch und polizeilich verfolgt. Jetzt bekommen diese armen Geschöpfe auch noch eine Verwarnung. Das, lieber Herr Henn, hätten Sie sich und uns und vor allem auch jenen wirklich sparen können!

Gegen diese ganze Neiddebatte sage ich: es lebe der freie, ungebremste Kapitalismus!

Gerd Weismann
Neuweier


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