Leserbrief
Leserbrief „Meine Meinung“ – „Merkwürdige Rechenbeispiele“ – Zu den Leserbriefen von Martin Müller-Petersen und Karl-Georg Degenhardt „Arbeitsmoral in Deutschland“
Baden-Baden, 31.01.2026, Leserbrief In einem Leserbrief an die Redaktion nimmt goodnews4-Leserin Sandra Schumacher Stellung zu den Leserbriefen der goodnews4-Leser Karl-Georg Degenhardt Leserbrief «Meine Meinung» – «Fassungslosigkeit über die deutsche Arbeitsmoral bedient Vorurteile» – «Komplexität statt Polemik» – Zum Leserbrief Martin Müller-Petersen und Martin Müller-Petersen Leserbrief «Meine Meinung» – «Zur Arbeitsmoral in Deutschland» – «Wahnsinn, wer soll eigentlich die Sozialleistungen erwirtschaften».
Merkwürdige Rechenbeispiele des Herrn Degenhardt: «Im Jahr 2026 verfügt selbst ein alleinstehender Vollzeitbeschäftigter zum Mindestlohn über rund 647 Euro mehr im Monat als ein Bürgergeld-Empfänger.» «Rund» (?) 647 Euro mehr? Wie das? Welches Gehalt wurde zugrunde gelegt? Herr Degenhardt lässt vermutlich außer Acht, dass zum Bürgergeld weitere Leistungen hinzukommen: Zahlungen für Miete und Nebenkosten, ggf. anteilig, wenn weitere Personen in der gleichen Wohnung wohnen. Dieses «Mehr» würde ich daher in der konkreten Höhe in Frage stellen. Der Bürgergeldempfänger erhält: 560 Bürgergeld, Miete geschätzt ca. 540 (in München, Frankfurt und Düsseldorf erheblich höher!), NK 300 = 1400 Euro. Wenn man das Einkommen einer Verkäuferin oder Friseurangestellten nimmt, dürfte dieses netto ähnlich niedrig oder vermutlich sogar darunter liegen. Pro Kind kommen noch zusätzlich 357 bis 470 EUR Bürgergeld hinzu. Für eine mehrköpfige Familie kommt da einiges zusammen. Die von Herrn Degenhardt genannte Differenz sehe ich so nicht. Möglicherweise im höheren Verdienst-Bereich, nicht aber in den unteren Gehaltsgruppen.
Der Punkt ist: Arbeit lohnt sich im unteren und teilweise auch im mittleren Segment nicht mehr. Die Lohnnebenkosten sind zu hoch, was wiederum auch Arbeitgeber davon abhält, mehr Stellen zu besetzen oder zu eröffnen. Hinzu kommen die hohen Lebenshaltungskosten (neben den Lebensmittelpreisen besonders die Mieten und Energiekosten), die ein Arbeitnehmer selbst zu tragen hat, so dass ihm monatlich von seinem Gehalt kaum noch etwas bleibt – der Bürgergeldempfänger erhält die staatliche Unterstützung. Selbst wenn beide am Ende das gleiche Einkommen hätten – der Arbeitnehmer buckelt stundenlang dafür, der Bürgergeldempfänger jedoch nicht. Er ruht sich aus auf Kosten anderer, ob begründet, d.h. gerechtfertigt oder nicht, sei hier einmal dahingestellt. Wenn das Gefälle zwischen Sozialleistungsempfängern und Lohnempfängern zu niedrig ist, sinkt die Bereitschaft zu arbeiten. Immerhin verkauft man ja einen Großteil seiner Lebenszeit dafür, nicht wenige leiden unter stressbedingten oder körperlichen Erkrankungen infolge ihrer anstrengenden Berufstätigkeit.
Ich selbst kann auch bestätigen, dass ein Großteil der Menschen in meiner Umgebung in Baden-Baden keiner regelmäßigen Arbeit nachgeht. Die Leute sind zu Hause, oder man trifft sie tagsüber in der Stadt beim Einkaufen oder im Café, die PKW in den Anliegerstraßen sind Dauerparker. Als Beispiel: in dem Mehrfamilienhaus, in dem ich wohne, beträgt der Anteil der arbeitenden Bevölkerung lediglich 50 Prozent. Die Hälfte der nicht Berufstätigen sind Rentner, verbleiben immernoch 25 Prozent, also ein Viertel der Bewohner, die im arbeitsfähigen Alter sind, aber nicht arbeiten.
Ein möglicher Trick, um das Jobcenter zu befrieden und dennoch nicht viel tun zu müssen, ist, einen Minijob anzunehmen. Dann gilt man als vermittelt, wird in Ruhe gelassen und bekommt weiterhin die Bürgergeld-Aufstockung nebst Miete und NK. Auch wenn man in Familie wohnt, muss man nur glaubhaft machen, dass keine Bedarfsgemeinschaft vorliegt und man getrennte Kassen hat, und schon fließt weiterhin das Bürgergeld und die anteilige Miete nebst Nebenkosten. Ich meine, das verführt zum Nichtstun und zum Missbrauch. Wer gesund ist, wer fähig ist zu arbeiten, sollte sich sei Brot auch selbst verdienen.
Daher bin ich auch dafür, das Bürgergeld zu senken, zeitlich zu begrenzen und an Bedingungen zu knüpfen, die zur Aufnahme einer Arbeit führen sollten. Der Empfang von Sozialleistungen sollte zudem wieder zur AUSNAHME werden, nicht zur Regel, und schon gar nicht über Jahre gewährt werden, wenn keine gravierenden – nachzuweisenden – Verhinderungen vorliegen. Zumal ein System in Dysbalance zerbrechen wird. Wenn mehr entnommen als eingezahlt wird, führt das zwangsläufig zum Kollaps des Systems.
Gleichzeitig sollte die Politik endlich wieder bessere Rahmenbedingungen und Anreize schaffen, damit Menschen wieder vermehrt in den Arbeitsmarkt integriert werden. Diese wurden leider in den letzten Jahren in den Keller gefahren und sind auch derzeit leider nicht gegeben.
Wenn die Politik in Berlin jetzt versucht, die Menschen, die ohnehin schon arbeiten, jahrzehntelang, noch mehr in die Pflicht zu nehmen, noch mehr auszupressen, statt endlich das bestehende Missverhältnis zwischen nach dem Gießkannenprinzip flächig verteilten Sozialleistungen und den echten Leistungsbringern zu beenden, wird auch diese derzeit noch fleißige Bevölkerung nicht mehr mitspielen. Zumal man sich ja auch fragen darf, welchen Anteil die Mio. zugewanderten Fachkräfte beitragen zum Gemeinwohl, wenn die Aktivrente ausgelobt werden musste und die Teilzeit abgeschafft werden soll. Fazit: Menschen sind genug im Lande. Mehr als je zuvor. Der Rest ist Fehlpolitik.
Sandra Schumacher
Baden-Baden
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