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Corona-Lage in Baden-Baden und Landkreis Rastatt

OB Mergen zu Rotlicht-Affäre und Augustaplatz-Party im goodnews4-Interview – Zum Verschweigen ihrer Quarantäne: "Es war ein Experiment, sage ich ehrlich"

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goodnews4-VIDEO-Interview von Nadja Milke mit OB Margret Mergen

Bild Christian Frietsch Bericht von Christian Frietsch
21.11.2020, 00:00 Uhr



Baden-Baden In einer interfraktionellen Anfrage hatten die Baden-Badener Fraktionen von Grünen und die FBB kritisiert, dass Oberbürgermeisterin Margret Mergen sie über ihre Quarantäne nicht informiert hatte. Eine Erklärung der Rathaus-Pressestelle gegenüber den Medien gab es ebenfalls nicht. goodnews4.de berichtete.

Im goodnews4-VIDEO-Interview rechtfertigte und begründete OB Mergen gestern ihr Schweigen.

Im weiteren Verlauf des Interviews ging Margret Mergen auf die Lage der Stadt in der zweiten Corona Welle und die verhältnismäßig guten Werte bei der 7-Tage-Inzidenz ein. goodnews4.de stellte auch Fragen an die Baden-Badener Oberbürgermeisterin zur Rotlicht-Affäre, wo ein Bordell im November wochenlang geöffnet hatte, obwohl die Details dazu bekannt waren, und zur Party auf dem Augustaplatz.

Und zu dem für Weihnachten zu erwartenden weiteren Lockdown gibt die Oberbürgermeisterin ihren Bürgern einige Empfehlungen, sich zu betätigen: «Ich sage mal das Stichwort ein gutes Buch zu lesen oder ein Musikinstrument zu spielen oder, was ich flapsigerweise immer sage, aber viele Leute auch inzwischen tun, auch mal wieder zur Stricknadel greifen uns einen schönen Schal stricken.»


Abschrift des goodnews4-VIDEO-Interviews mit Margret Mergen, Oberbürgermeisterin von Baden-Baden:

goodnews4: Frau Oberbürgermeisterin, einige Kritik müssen Sie einstecken zu Ihrer Informationspolitik. Ihre Quarantäne haben Sie nicht öffentlich gemacht. Grüne und FBB werfen Ihnen vor, damit das Vertrauen der Bevölkerung zu gefährden. Warum haben Sie denn Ihre Quarantäne nicht bekanntgemacht?

Margret Mergen: Es war ein Experiment, sage ich ehrlich. Ich war im Frühjahr in der Quarantäne – es hat sich übrigens niemand im Frühjahr dafür interessiert – und ich ging ins Homeoffice und wollte ein bisschen schauen läuft der Betrieb ganz normal weiter. Und er lief ganz normal weiter. Ich habe die letzten 14 Tage ganz normal gearbeitet, ich habe sehr viele Videokonferenzen gehabt, viele Telefonate, viele Mails und es lief so als säße ich hier im Büro. Lediglich zwei Veranstaltungen, die noch real stattgefunden hatten, habe ich meine beiden Bürgermeister gebeten, mich zu vertreten. Das war einmal der Volkstrauertag und das war die erste Zusammenkunft des Beirats für Menschen mit Migrationshintergrund, da habe ich meine beiden Bürgermeister gebeten, mich zu vertreten, aber alles andere lief wie ganz normal. Und das hat mich eigentlich sehr beruhigt, weil ich mir jetzt sage, wir sind technisch so gut aufgestellt als Stadt, dass wir tatsächlich auch in den kommenden Monaten viel mehr Mitarbeitern ermöglichen können, im Homeoffice zu arbeiten, was letztlich für die Vermeidung von Infektionen natürlich ein großer Vorteil ist.

goodnews4: Baden-Baden erlebt schon seit Tagen eine Achterbahnfahrt bei der 7-Tage-Inzidenz, mal ist der Wert über 100, mal sogar unter 80. Wie beurteilen Sie die Lage aktuell?

Margret Mergen: Ich habe den Eindruck, dass hier in Baden-Baden die Hygieneregeln sehr gut eingehalten werden. Ich würde mich freuen, wenn sie noch konsequenter eingehalten würden, also auch in der Fußgängerzone und in den Bussen, weil das sicherlich nochmal helfen würde, auch die Infektion schneller wieder runter zu bekommen. Wir haben tatsächlich eine 7-Tage-Inzidenz jetzt im November gehabt zwischen 60 bis zu 100 Inzidenz, also Fälle pro 100.000 Einwohner. Wir liegen damit unter den Stadtkreisen eigentlich immer am untersten Ende, wir waren auch einmal in ganz Baden-Württemberg die Stadt mit den geringsten Infektionen. Es ist eine Seitwärtsbewegung. Wir haben keine Steigerung, aber wir haben auch noch nicht die deutliche Reduzierung der Zahlen, was uns sicherlich alle sehr freuen würde, aber das ist nicht nur bei uns so, das ist auch im Landkreis die Tendenz. Insgesamt die Stadtkreise in Baden-Württemberg, die sehr hohe Zahlen hatten in den vergangenen Wochen, bei denen bewegt es sich deutlich schon nach unten. Die Kollegen sind sehr froh darüber, aber die liegen noch deutlich, deutlich über unseren Werten, teilweise das Dreifache, Vierfache von unseren Werten.

goodnews4: Wie läuft es denn bei der Überwachung der Einhaltung der Corona-Verordnung, also der Maßnahmen und Regeln? goodnews4.de hatte berichtet, ein Bordell war bis vor zwei Tagen aktiv trotz mehrerer Hinweise, auch unsere Berichterstattung, am Augustaplatz wird immer wieder feucht-fröhlich Party gefeiert mit Musik und viel Alkohol, so auch wieder gestern Abend. Ist die Verwaltung und die Polizei da etwas überfordert, gerade in den Abendstunden?

Margret Mergen: Also unser Gemeindevollzugsdienst hat die Aufgabe, hier auch die öffentliche Ordnung herzustellen. Wir hatten das Personal ja auch aufgestockt in den letzten zwei Jahren und haben auch die Dienste ausgeweitet bis in die Abendstunden. Das alles haben wir in den vergangenen Monaten geregelt, sodass wir schon sagen, die Kollegen machen ihre Arbeit sehr gewissenhaft und auch in sehr guter Abstimmung mit der Polizei, aber natürlich, Sie können nicht ständig überall sein. Die gehen immer wieder auch in die Schwerpunkte. Und es ist sehr bedauerlich, dass einige Menschen tatsächlich sich völlig allen Regeln zuwider verhalten. Das belastet die Gemeinschaft, es ist unsolidarisch und deswegen kann ich immer wieder nur appellieren an alle: Bitte haltet die Regeln ein, nicht nur zum eigenen Schutz, zum Schutz der anderen.

goodnews4: Dass man nicht überall sein kann, ist klar, aber wenn es ganz konkrete Hinweise gibt und auch bekannte Schwerpunkte, die sowieso immer in Baden-Baden schon seit Jahren mit Menschen bevölkert sind in den Abendstunden, die Party feiern, dann könnt man doch die in seine tägliche Routine mit aufnehmen.

Margret Mergen: Ich weiß, dass im Bereich der öffentlichen Ordnung vorgesehen ist, gerade den Augustaplatz mehrfach täglich zu kontrollieren, also auch nicht nur vormittags, sondern tatsächlich in den Abendstunden. Das ist so geregelt, das heißt, die Kollegen haben tatsächlich – ich will jetzt nicht die Zeitfenster sagen, einfach damit auch ein bisschen dieser Effekt da ist der nichtangekündigten Kontrolle – aber, dass immer wieder auch dort kontrolliert wird. Das steht im Grunde auf dem Plan unserer Gemeindevollzugsmitarbeiter.

goodnews4: Werden wir dieses Jahr ein besonders ruhiges Weihnachten, eine besonders stille Nacht erleben?

Margret Mergen: Ja, in der Tat. Es ist die Adventszeit in diesem Jahr deutlich ruhiger, sicherlich auch zum Bedauern aller, sicherlich eine große Hypothek auch für die Wirtschaft, eine Hypothek vor allem für den Einzelhandel, die Gastronomie, die Künstler, die Kunstszene insgesamt. Es tut schon sehr weh dieser Verzicht und auch der Verlust von gemeinschaftlichem, geselligen Beisammensein. Wir alle haben die Weihnachtsfeiern immer sehr genossen in den letzten Jahren. Ja, man muss sich auf seine eigenen Kräfte besinnen, man muss sich mit dem begnügen, was einem selber in seinem persönlichen Umfeld möglich ist, und lernt dann vielleicht auch wieder andere Werte zu schätzen. Ich sage mal als Stichwort ein gutes Buch zu lesen oder ein Musikinstrument zu spielen oder, was ich flapsigerweise immer sage, aber viele Leute auch inzwischen tun, auch mal wieder zur Stricknadel greifen und einen schönen Schal stricken. Also Plätzchen backen, Weihnachtsgestecke machen, selbstgemachte Weihnachtsgeschenke basteln, das sind jetzt so Dinge, die man gut tun kann, oder sich den Weihnachtsschmuck am Haus schön gestalten. Das sind, glaube ich, jetzt Dinge, mit denen wir uns einfach zufriedengeben müssen.

goodnews4: Ich bedanke mich für das Interview, Frau Mergen.

Margret Mergen: Vielen Dank, Frau Milke.

Das Interview führte Nadja Milke für goodnews4.de.

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