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Krone muss zurück geschnitten werden

Trauerbuche soll gerettet werden – Gartenamtschef Brunsing: „Wir versuchen natürlich möglichst viel von dem Baum zu retten“

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goodnews4-VIDEO-Interview von Reyhan Celik mit Markus Brunsing

Baden-Baden, 16.03.2019, Bericht: Reyhan Celik Gestern erläuterten Markus Brunsing, Leiter des Fachgebiets Park und Garten, sein Kollege Traugott Bräuninger und Patric Lainé von den städtischen Verkehrsbetrieben die erforderlichen Maßnahmen, um die berühmte Trauerbuche in der Lichtentaler Allee zu retten.

Am 23. März 2019 müssen deshalb die Busse umgeleitet und eine Seite des Oosufers für Fußgänger und Radfahrer gesperrt werden.

Die Traucherbuche war bereits im 19. Jahrhundert in den Parkanlagen und großzügigen Gärten ein außerordentlich beliebter Baum und kommt so auch in vielen historischen Abbildungen der Lichtentaler Allee vor. Markus Brunsing spricht im goodnews4-VIDEO-Interview über den Charakter der Traucherbuche sowie die noch immer andauernde Beliebtheit des Baumes: «Also einen Charakter haben Bäume auf jeden Fall, egal ob es jetzt die großen Mammutbäume oder alte Eichen sind. Und auch diese Buche ist ein Baum, der wirklich Charakter hat, der Geschichte hat. Wenn man überlegt, was der alles erlebt hat, wer hier alles vorbeiflaniert ist, welche Kaiser und Könige, Dichter und Musiker, dann wird es einem wirklich schon ganz schwer, diesen Baum so zurückzuschneiden. Und er bedeutet so vielen Baden-Badenern und Menschen in der Region so viel.»

Schneiden muss man nun den mindestens 160, vielleicht sogar 200 Jahre alten Baum, da er krank ist. Das Gartenamt hat die Trauerbuche seit Jahrzehnten geschützt und gepflegt, doch diese Bäume sind in ihrer Grundstruktur bruchgefährdet und anfällig für Pilzbefall, da durch die gebogene Form des Stamms und den Kuppelansatz der Krone Bereiche des Buchenstammes der Sonne ausgesetzt sind, die eigentlich beschattet sein müssten. Zuletzt vor etwa 14 Jahren war ein stabilisierendes Gerüst als pyramidale Stütze für den Hauptstamm des Baumes errichtet worden. Doch verschiedene Astbrüche haben zu einer Freilegung des Stamms und zu zusätzlichen Schäden geführt. Heute ist der schrägstehende Hauptstamm ab einer Höhe von circa drei Metern so durchmorscht, dass dieses Stammteilstück lediglich noch an den Seiten des Hauptstamms gehalten wird. Unklar ist, wie der Stamm und auch die Stahlstützen bei einem Bruchversagen reagieren würden, sodass auch eine Gefährdung der Spaziergänger nicht ausgeschlossen werden kann und akuter Handlungsbedarf besteht.

Die Besonderheit der Trauerbuche in der Lichtentaler Allee ist, dass sie − bei Trauerbuchen kein selbstverständlicher Effekt − mit Hilfe der auf dem Boden liegenden Äste, die sich eingewurzelt haben, weitere Tochterbäume gebildet hat. Diese Tochterbäume fallen durch einen besonders bizarren und schlingenartigen Wuchs auf. Diese Baumteile sollen auch nach dem 23. März erhalten bleiben. «Wir versuchen natürlich, möglichst viel von dem Baum zu retten und er macht es uns da auch wieder leicht, er hat ja in den letzten Jahrzehnten ganz viele Tochterbäume gebildet und die bleiben alle erhalten. Auch der große Hauptstamm bleibt erhalten bis zu einer Höhe von drei, vier Metern und damit wird immer noch ein Stück dieses Baumes für uns in den nächsten Jahrzehnten in der Lichtentaler Allee zu erleben sein», erläutert Markus Brunsing.

Am Samstag, den 23. März, werden die Kronenteile der Traucherbuche abschnittweise entfernt sowie die Stahlpyramide abgebaut. Die Arbeiten erfordern einen Telekran auf der Fahrbahn. Deshalb werden die Busse der Verkehrsbetriebe Baden-Baden von Betriebsbeginn um 4:30 Uhr bis etwa 16:00 Uhr am Nachmittag umgeleitet. Die Busse fahren dann nicht durch die Lichtentaler Allee, sondern werden über den Augustaplatz, Leopoldsplatz und die Luisenstraße umgeleitet. In der kommenden Woche werden die Verkehrsbetriebe Baden-Baden auf die damit verbundenen Änderungen der Buslinienführung und Haltestellen hinweisen. Auch die Fußgänger werden gebeten, auf die Absperrung zu achten und auf die andere Oosuferseite auszuweichen. Fahrradfahrer werden gebeten, auf umliegende Straßen auszuweichen.


Abschrift des goodnews4-VIDEO-Interviews mit Markus Brunsing, Leiter des Fachgebiets Park und Garten der Stadt Baden-Baden:

goodnews4: Herr Brunsing, wie steht es denn um die Gesundheit dieser Trauerbuche? Gibt es denn Hoffnung, sie noch zu retten?

Markus Brunsing: Also es steht tatsächlich nicht gut um die Buche. Das muss man leider sagen. Die Buche hat schon seit vielen Jahren Pilzerkrankungen. Zunderschwamm ist der schlimmste Pilz, der sie im Moment befallen hat, und der hat jetzt den Hauptstamm so in drei, vier, fünf Meter Höhe so angefallen und das Holz zersetzt, dass die Stabilität für den größten Kronenteil leider nicht mehr gegeben ist.

goodnews4: Also es gibt überhaupt keine Option mehr, den ganzen Baum zu retten. Haben Sie denn jetzt irgendwelche Maßnahmen vor, zumindest einen Teil davon zu retten?

Markus Brunsing: Ja, wir versuchen natürlich möglichst viel von dem Baum zu retten und er macht es uns da auch wieder leicht, er hat ja in den letzten Jahrzehnten ganz viele Tochterbäume gebildet und die bleiben alle erhalten. Auch der große Hauptstamm bleibt erhalten bis zu einer Höhe von drei, vier Metern und damit wird immer noch ein Stück dieses Baumes für uns in den nächsten Jahrzehnten in der Lichtentaler Allee zu erleben sein.

goodnews4: Wie alt ist der Baum denn, weiß man denn genau, wann er gepflanzt wurde?

Markus Brunsing: Das ist eine gute Frage. Ganz genau wann er gepflanzt wurde, weiß man nicht. Aber wir haben Abbildungen von vor 120 Jahren, da sieht man schon einen großen Baum und deswegen können wir davon ausgehen, dass der Baum 160 bis 180, vielleicht sogar 200 Jahre alt ist. Es ist wirklich einer unserer markantesten und schönsten und ältesten Bäume in der Lichtentaler Allee und umso mehr schmerzt es, wenn man dann so einen entscheidenden Schnitt vornehmen muss.

goodnews4: Wann wird der Schnitt den vorgenommen? Haben Sie schon ein festes Datum?

Markus Brunsing: Ja, wir werden die obere Krone des Hauptstamms am Samstag, den 23. März, entfernen. Es ist extra ein Samstag, weil da weniger Busse fahren, denn unsere Kollegen von den städtischen Verkehrsbetrieben müssen für diesen Samstag vom Betriebsbeginn bis Nachmittag, 16 Uhr etwa, wieder über den Leopoldsplatz und durch die Luisenstraße fahren. Denn hier auf der Fahrbahn wird ein großer Telekran stehen müssen, aus Sicherheitsgründen und um den Baum abzutragen. Und auch die Fußgänger müssen einen kleinen Umweg gehen auf die andere Oos-Uferseite, aber das ist glaube ich das kleinste Problem. Und da kann man durchaus beobachten an diesen Tagen, wie wir mit dem Baum arbeiten.

goodnews4: Jeder Baum hat Geschichte. Diese Trauerbuche ist für Generationen von Baden-Badenern der Baum in der Stadt überhaupt. Vor Jahrzehnten kletterten die Kinder auf diesem mächtigen Baum oder suchten Schutz unter den hängenden Ästen. Nun schützt ein Gitter den nun alten, schwachen Baum. Haben Bäume wie diese Trauerbuche denn auch einen Charakter, eine Persönlichkeit oder geht Ihnen dieser Baum besonders nahe?

Markus Brunsing: Also einen Charakter haben Bäume auf jeden Fall, egal ob es jetzt die großen Mammutbäume oder alte Eichen sind. Und auch diese Buche ist ein Baum, der wirklich Charakter hat, der Geschichte hat. Wenn man überlegt, was der alles erlebt hat, wer hier alles vorbeiflaniert ist, welche Kaiser und Könige, Dichter und Musiker, dann wird es einem wirklich schon ganz schwer, diesen Baum so zurückzuschneiden. Und er bedeutet so vielen Baden-Badenern und Menschen in der Region so viel und auch ich persönlich, seitdem ich in Baden-Baden bin, habe ich immer wieder die kranken Stationen dieses Baumes ein bisschen mitbetreuen müssen. Von daher ist das schon eine schwere Entscheidung, aber wir hoffen, dass das, was noch stehen bleibt, und vielleicht ein zusätzlicher neuer Baum ab Herbst, dass wir dann wieder den Charakter ein wenig bewahren können.

goodnews4: Vielen Dank, Herr Brunsing.

Markus Brunsing: Danke auch.

Das Interview führte Reyhan Celik für goodnews4.de.

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