Logo goodnews4Plus

Opfer sagte erneut aus

Vierter Verhandlungstag zur mutmaßlichen Gruppenvergewaltigung in Baden-Baden – Beobachtungen von Reyhan Celik im Landgericht

Vierter Verhandlungstag zur mutmaßlichen Gruppenvergewaltigung in Baden-Baden – Beobachtungen von Reyhan Celik im Landgericht
Das Landgericht Baden-Baden verhandelt über den Vorwurf der Gruppenvergewaltigung eines Kindes.

Bild Reyhan Celik Bericht von Reyhan Celik
16.10.2020, 00:00 Uhr



Baden-Baden Viele Pressevertreter und Interessierte waren gestern beim vierten Verhandlungstag anwesend, bei dem es um eine Gruppenvergewaltigung geht, die in den 80er Jahren in Baden-Baden offenbar in der Scheibenstraße stattgefunden haben soll. goodnews4.de berichtete.

Die Zahl der vorbereiteten Sitzplätze mit Abstandsmarkierungen wegen der Corona-Pandemie hat gestern im Sitzungssaal des Baden-Badener Landgerichts für die Zahl der Anwesenden nicht ausgereicht.

Ein Gerichtsmitarbeiter erklärte, dass, wenn jemand den Raum verlässt, diejenigen, die vor dem Raum warten, dessen Platz einnehmen können. Der Angeklagte und sein Verteidiger waren zu diesem Zeitpunkt schon anwesend. Der Verteidiger erklärte dem Gerichtsmitarbeiter, dass er kein Problem damit habe, wenn weitere Stühle auf der freien Fläche hinter seinem Sitzplatz platziert werden. Zwei neue Sitzplätze, für dann insgesamt 16 Besucher, wurden bereitgestellt.

Der heute 64-jährige Angeklagte, Brillenträger, Ohrring am rechten Ohr, bekleidet mit schwarzer Hose, schwarzem Shirt und schwarzem Jackett, wog sich während der Verhandlung auf seinem Drehstuhl hin und her und schaute durch die Gegend.

Der Richter erklärte zu Beginn der Sitzung, dass ein Antrag namens der Geschädigten gestellt wurde, die Öffentlichkeit während ihrer Vernehmung auszuschließen, da Umstände aus ihrem persönlichen Lebensbereich bekannt werden könnten. Die Geschädigte befand sich zu diesem Zeitpunkt noch nicht im Gerichtssaal. «Die Schwere der Tat» rechtfertige den Ausschluss der Öffentlichkeit, heißt es in dem Antrag. Anwesend war auch ein psychiatrischer Sachverständiger zur Beratung des Gerichts aus medizinischer Hinsicht.

Der Verteidiger beantragte, einen Zeugen erneut zu vernehmen. Der Richter erklärte, dass eine Kriminalbeamtin heute Unterlagen eingereicht habe, die dann vom Richter den Verfahrensbeteiligten, dem Verteidiger und der Staatsanwältin, ausgehändigt wurden. Bei den Unterlagen gehe es laut dem Richter um «räumliche Verhältnisse». Die Sitzung wurde für 10 Minuten unterbrochen, damit die Verfahrensbeteiligten Zeit zur Einsicht in die Unterlagen haben konnten. Während der Verteidiger des Angeklagten die Unterlagen ohne Beachtung des Angeklagten durchsah, lehnte sich der Angeklagte hin und wieder zu ihm hin und warf einen Blink auf die Bilder, die darin zu sehen waren. Er war also nicht ganz teilnahmslos. Und sprach dann auch über die Unterlagen mit seinem Verteidiger.

Die Unterlagen beinhalteten laut dem Richter Pläne der Scheibenstraße 12 vom Bauordnungsamt und Unterlagen von Architektenbüros. Das Gebäude sei 1905 als «Kleinkinderschule» gebaut und sei 1982 bis 1987 als Kindergarten und auch als Unterkunft für Pfadfinderkinder genutzt worden. Im Jahr 2000 sei das Gebäude umgebaut worden. Erst dann sei eine räumliche Trennung des Kindergartens und der von den Pfadfinderkindern genutzten Räumen gegeben gewesen. Der Zeuge, den der Verteidiger wieder vernehmen lassen wollte, erklärte dann am Tisch des Richters, wie die Räumlichkeiten in den 80er Jahren waren. Auch die Staatsanwältin und der Verteidiger standen an dem Tisch des Richters und nahmen die Informationen zur Kenntnis.

Den Besuchern wurde wohl bewusst, wie umfangreich und schwierig die Beweislage in so einem Fall sein kann, da er über dreißig Jahre zurückliegt. Die Nebenklägerin sagte bei ausgeschlossener Öffentlichkeit nochmals aus. Zu einem Urteil kam es gestern nicht. Die Verhandlung wird am 28. Oktober fortgesetzt.


Zurück zur Startseite und zu den weiteren aktuellen Meldungen.