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Verein Stadtbild fordert Mitnahme der Bürger

Stadtbild-Chef Niedermeyer kritisiert OB Mergen wegen fehlender Initiative zum Welterbe – "Wo bleibt die Kommunikation und Einpassung nach innen, Richtung Baden-Badener Bürgerschaft?"

Stadtbild-Chef Niedermeyer kritisiert OB Mergen wegen fehlender Initiative zum Welterbe – "Wo bleibt die Kommunikation und Einpassung nach innen, Richtung Baden-Badener Bürgerschaft?"
Wolfgang Niedermeyer, Vorsitzender des Vereins Stadtbild Baden-Baden. Foto: goodnews4-Archiv

Baden-Baden, 26.04.2019, 00:00 Uhr, Bericht: Christian Frietsch Mit dem Paragraf 20 der Gemeindeordnung Baden-Württemberg tut sich die Baden-Badener Oberbürgermeisterin Margret Mergen schon seit Beginn ihrer Amtszeit schwer. «Bedeutsame Angelegenheiten», wie es im Gesetz gefordert wird, kommen bei den Baden-Badener Bürgern nur unzureichend an. Dies gilt für die vom Rathaus einsam entschiedene Synagogen-Bauplatzanfrage, ebenso wie für die weitreichenden Bauprojekte, die aus der Baden-Badener Innenstadt mit den Projekten SWR-Tannenhof und Vincentius fast unumkehrbar ein Pflaster für Immobilienspekulanten gemacht haben.

Nun beklagt der Vorsitzende des Vereins Stadtbild, Wolfgang Niedermeyer, einen weiteren Fall der fehlenden Kommunikation der Rathausspitze mit den Baden-Badenern und formuliert dies in einem Schreiben an die Oberbürgermeisterin mit Blick auf die Bewerbung von Baden-Baden als UNESCO-Welterbe.

«Das Welterbeteam der Stadt Baden-Baden hat offensichtlich hervorragende Arbeit geleistet; das wird durch die hervorgehobene Stellung im Kreis der Bewerber deutlich. Für die Antragsarbeit in Richtung UNESCO gilt dies uneingeschränkt. Aber wo bleibt die Kommunikation und Einpassung nach innen, Richtung Baden-Badener Bürgerschaft?» In seinem ausführlichen Schreiben analysiert der Stadtbildchef und Spitzenkandidat der FBB für die Kommunalwahl den aus seiner Sicht völlig unzureichenden Stand der Kommunikationsmaßnahmen für das Projekt UNESCO-Welterbe, das für Baden-Baden neben den Projekten Festspielhaus und Museum Frieder Burda zu den bedeutendsten Meilensteinen bei der Entwicklung eines modernen, aber nachhaltigen Baden-Badens gehören dürfte.

Immer noch dürften der Oberbürgermeisterin die einflussreichen Gegner eines Welterbes für Baden-Badener gehören. Dazu gehört vor allem die Gemeinderatsfraktion der Freien Wähler, FW, die für Mehrheitsbildungen im Gemeinderat für die Oberbürgermeisterin eine wichtige Rolle spielt. Nicht nur bei einer der vergangenen Haushaltsreden hatte sich der Freie Wähler-Fraktionschef gegen eine Bewerbung Baden-Badens ausgesprochen und auch jüngst keinen Hehl aus der Skepsis gegen das Welterbe gemacht. goodnews4.de berichtete. Die Kritik an dem angeblich teuren Projekt dürfte nur ein Vorwand sein für die eigentliche Rolle der Freien Wähler, die in der Baden-Badener Innenstad für die Bauwirtschaft durch ein Welterbe wohl erschwerte Bedingungen sieht.

Allein ein Vergleich der Kosten für das marginale Projekt der aus Karlsruhe gesteuerten zentralen Behörden-Rufnummer macht die Kostenrelation deutlich. Das von der Oberbürgermeisterin geförderte und gerade von der FDP beklagte Telefonauskunftsprojekt kostet die Stadt mit jährlich 130.000 Euro mehr Geld als die bisherigen jährlichen Kosten für die Bewerbung als Weltkulturerbe, die von der Stadtverwaltung bei der Gemeinderatssitzung am 25. März 2019 mit jährlich 30.000 bis 50.000 Euro beziffert wurden. «Was ist uns das Welterbe wert?», fragt deshalb auch der Verein Stadtbild.

Die Frage von Wolfgang Niedermeyer «Aber wo bleibt die Kommunikation und Einpassung nach innen, Richtung Baden-Badener Bürgerschaft?», lässt sich wohl mit den Befindlichkeiten und der Rücksichtnehme der Oberbürgermeisterin für die Freien Wähler um Hans-Peter Ehinger und Heinz Gehri beantworten.


Erklärung des Vereins Stadtbild: «Was ist uns das Welterbe wert?»

Der Verein Stadtbild Baden-Baden möchte mit einem breit aufgestellten Aktionsplan auf die Verbreitung des Welterbegedanken währen der laufenden Antragsphase aufmerksam machen. Ein Schreiben mit der Analyse des bisher nach außen Richtung UNESCO geleisteten Arbeit und die Auflistung einer Palette von Aktionen um die Bürgerschaft mitzunehmen, ging an die Oberbürgermeisterin. Vor allem gilt es den großen Schatz an Wissen und Fakten, der sich bei der Ausarbeitung der Antragsunterlagen angesammelt hat, jetzt verständlich in ein Basiswissen für Jedermann umzusetzen.

«Der Bürger kann selbstverständlich nur für das Projekt eingenommen werden und die Zielsetzung mehrheitlich positiv bewerten, wenn die Grundlagen plausibel erscheinen», schreibt der Verein an die OB und weiter: «Baden-Baden ist zum Glück eine Kulturstadt mit vielfältigen Institutionen, die alle geeignet sind als Sympathieträger für den Welterbegedanken zu wirken und durch den Publikumszuspruch den sie haben, auch als zuverlässige Kommunikatoren in breite Bevölkerungskreise wirken. Der Verein erinnert die Oberbürgermeisterin, dass in ihrem Dezernat praktisch alle Kultureinrichtungen gebündelt sind und dies die Umsetzung einer Welterbekampagne für die Bürgerschaft reibungslos ermöglichen sollte. Das städtische Welterbeteam hat in Richtung UNESCO offensichtlich hervorragende Arbeit geleistet. Von dieser sinnstiftenden Investition sollte jetzt die Bürgerschaft profitieren. Selbstverständlich will sich der Verein Stadtbild, wie auch bisher, mit seinen Mitteln und Möglichkeiten einbringen und erinnert an seine ‘Welterbewege’ durch fünf herausragende Quartiere, die mit „Baden-Baden Kur und Tourismus“ gemeinsam vertrieben werden.»


Das Schreiben von Wolfgang Niedermeyer, Vorsitzender des Vereins Stadtbild Baden-Baden, an Oberbürgermeisterin Margret Mergen im Wortlaut:

Sehr geehrte Frau Oberbürgermeisterin Mergen,

das Welterbeteam der Stadt Baden-Baden hat offensichtlich hervorragende Arbeit geleistet; das wird durch die hervorgehobene Stellung im Kreis der Bewerber deutlich. Für die Antragsarbeit in Richtung UNESCO gilt dies uneingeschränkt. Aber wo bleibt die Kommunikation und Einpassung nach innen, Richtung Baden-Badener Bürgerschaft?

Das Antragsdossier hat beeindruckende 1434 Seiten und ist 5,3 kg schwer, punktet die Verwaltung auf der Welterbe-Infoseite. Aus der schieren Masse sollte für den Bürger jetzt die Klasse Baden-Badens nachvollziehbar herausgearbeitet werden. Natürlich hat die Tagespresse über den Werdegang des Antrags stets zuverlässig informiert.

Zwei Informationsveranstaltungen, ein offizieller Welterbeflyer und ein Welterbewürfel, wechselweise am Augustaplatz und auf der Fieserbrücke, stehen bezüglich Öffentlichkeitsarbeit auf der Habenseite der Verwaltung.

Diverse Publikationen von Seiten der «Freunde der Lichtentalerallee», sowie 5 aktuelle «Welterbewege» durch wichtige Quartiere Baden-Badens vom Verein Stadtbild, wurden beigesteuert.

Dies alles zusammengenommen hat, bezogen auf die gesamte Bürgerschaft, natürlich nur eine begrenzte Breitenwirkung erfahren. Für eine allgemeine Akzeptanz und gefestigte Überzeugung muss während der Antragsphase entscheidend mehr geleistet werden.

Im Rahmen des Welterbeantrages wurden große Mengen an Erhebungen, Bewertungen, Plänen und das gesamte Hintergrundwissen zum Thema systematisch gesammelt und ausgewertet. Eine Extrahierung und Umsetzung in populärwissenschaftliche Formen ist eigentlich nur eine Fleißarbeit, aber notwendig, um ein Basiswissen in die Öffentlichkeit zu vermitteln. Der Bürger kann selbstverständlich nur für das Projekt eingenommen werden und die Zielsetzung mehrheitlich positiv bewerten, wenn die Grundlagen plausibel erscheinen.

Baden-Baden ist zum Glück eine Kulturstadt mit vielfältigen Institutionen, die alle geeignet sind als Sympathieträger für den Welterbegedanken zu wirken und durch den Publikumszuspruch den sie haben, auch als zuverlässige Kommunikatoren in breite Bevölkerungskreise wirken. Dazu kommen noch die Bürgerbüros und Ortsverwaltungen. Im Dezernat 1, Ihrem Dezernat als Oberbürgermeisterin, sind praktisch alle diese Einrichtungen gebündelt. Extern angesiedelt sind nur Festspielhaus und Kurhaus/Trinkhalle. Nach der konzeptionellen Erarbeitung einer Welterbekampagne müsste die Umsetzung also reibungslos möglich sein.

In einer Arbeitsgruppe unter Koordinierung der Stabsstelle Welterbe, kann die spezielle Befähigung der diversen Einrichtungen, besonders auch für ein aktives Einbringen im Kontext mit dem Welterbe festgestellt und Gestaltungsmöglichkeiten ausgelotet werden.

Ein personalintensives öffentliches Welterbebüro/Zentrum wird wohl (vor einer Entscheidung der UNESCO für Baden-Baden) mit der Haushaltssituation kaum zu vereinbaren sein.

Wie also den gefassten Beschluss und Antrag einer breiten Öffentlichkeit näherbringen? Mit der Präsentation der Themenbotschaften am Welterbewürfel ist bereits ein Grundsatzdesign für weitere Darstellungsoptionen gegeben. Daraus lassen sich, je nach örtlichen und räumlichen Verhältnissen Gestaltungselemente entwickeln z.B.:
- Welterbestele, - Welterbeterminal, - Welterbekiosk, - temporärer Welterbe Pop-up Store
- dauerhafter Welterbe Showroom

Hier können additiv, je nach Platzverhältnissen, Dispenser für Schriften, Broschüren, Flyer, Karten usw. als passive Informationsträger hinzugefügt werden. Eine fachspezifische Ergänzung im Kontext mit dem Welterbe drängt sich z.B. bei der Stadtbibliothek oder Stadtmuseum geradezu auf.

Bei wichtigen Ereignissen lassen sich ein Kiosk oder Showroom jederzeit mit aktiver Information durch geschulte Welterbeguides ergänzen.

Lesungen und Vorträge finden in Baden-Baden traditionell ein aufgeschlossenes und treues Publikum. Von populär bis wissenschaftlich ist eine breite Streuung vorhanden; davon kann auch das Welterbe profitieren. Material dürfte in den Antragsunterlagen überreich vorhanden sein. Der Schatz muss nur gehoben werden.

Wozu muss die Stabsstelle Welterbe befähigt werden: erstens, den laufenden Ansprüchen aus der Antragsstellung gerecht zu werden und zweitens, den Welterbegedanken in der Bürgerschaft zu festigen und zu verankern. Dafür ist selbstverständlich qualifiziertes Personal erforderlich, nach unserer Kenntnis ausgeschrieben und hoffentlich auch sehr bald verfügbar.

Natürlich wollen wir uns, wie immer, nicht nur verbal äußern, sondern sind gerne bereit an jeder Stelle mitzuwirken, uns persönlich z.B. mit Patenschaften, Welterbeguides etc. einbringen und mit unseren Mitteln und Möglichkeiten für die Welterbestadt Baden-Baden einstehen.

Den «Freunden der Lichtentaleralle», sicherlich Spiritus Rector beim Welterbebemühen, und den Fraktionen geben wir diese Zeilen zur Mitkenntnis.

Mit freundlichen Grüßen
Wolfgang Niedermeyer

PS Ein Blick in den Haushalt 2018/19 zeigt, das im Ansatz 2019, Titel Plan.-/Gutachterk. UNESCO Weltkulturerbe auch die «Umsetzung Kommunikationskonzept» eingeplant ist.


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