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Bebauungsplan "Urbanes Gebiet Aumatt"

Voraussichtlich keine Abstimmung heute zum Aumatt-Projekt – Gestaltungsbeirat Riehle: "Kein Hochhaus, deutlich unter der Hochhausgrenze von 22 Meter"

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goodnews4-VIDEO-Interview von Nadja Milke mit Wolfgang Riehle

Baden-Baden, 13.02.2020, 00:00 Uhr, Bericht: Christian Frietsch Das Bauprojekt Aumatt in Baden-Baden geht nach einem ersten Scheitern im Gemeinderat in die zweite Runde. Einen Dialog zwischen Investor und er Bürgerinitiative der Anwohner gibt es weiterhin nicht, dafür soll das Wort des Gestaltungsbeirates der Stadt Baden-Baden weiterhelfen. goodnews4.de berichtete. Im goodnews4-VIDEO-Interview erläutertet Wolfgang Riehle, Vorsitzender des Gestaltungsbeirats, die Beurteilung des Projektes durch sein Gremium.

In einem weiteren goodnews4-VIDEO-Interview äußerten die Sprecher der Bürgerinitiative Oosscheuern Zweifel an der Tauglichkeit des modifizierten Plans, der heute unter dem Namen «Bebauungsplan ‚Urbanes Gebiet Aumatt‘» auf der Tagesordnung des Bauausschusses steht. goodnews4.de berichtete. Es werde in der Bauausschusssitzung im Baden-Badener Rathaus «mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit keine Abstimmung» zum Bebauungsplan «Urbanes Gebiet Aumatt» geben, erklärte Alexander Uhlig, Erster Bürgermeister, gestern nach der Sitzung des Gestaltungsbeirates.

So wird es im Bauausschuss heute Abend voraussichtlich nur zu einer Meinungsbildung kommen. Die Kritik des Gestaltungsbeirats zum so genannten «Twin Tower», solle «schriftlich abgefasst» werden und «in die Beratungsfolge» einbezogen werden. Für die Einarbeitung der Anregung des Gestaltungsbeirats in den Bebauungsplan müsse man sich Zeit nehmen, die Pläne müssten angepasst werden, da sei «sauberes Arbeiten notwendig», damit «keine Fehler bei Abstandsvorschriften» und anderem entstehen, da könne man nicht «schnell etwas aufs Papier zaubern», erklärte Baubürgermeister Uhlig.


Abschrift des goodnews4-VIDEO-Interviews mit Wolfgang Riehle, Vorsitzender des Gestaltungsbeirats der Stadt Baden-Baden:

goodnews4: Wolfgang Riehle, heute stand auf der Tagesordnung der Sitzung des Baden-Badener Gestaltungsbeirates das Projekt in der Aumattstraße, das für viel Aufmerksamkeit in der Öffentlichkeit gesorgt hat, es hat sich auch eine Bürgerinitiative von Anwohnern gegründet. Hat sich der Gestaltungsbeirat heute denn zum ersten Mal mit dem Projekt befasst?

Wolfgang Riehle: Ja, normalerweise beschäftigt sich der Gestaltungsbeirat überhaupt nicht mit Projekten, die über einen Wettbewerb entschieden wurden, wie es in diesem Fall ja 2017/18 gewesen ist. Wir sind eingeschaltet worden auf Bitten des Gemeinderates, weil das Projekt durch die Veränderungen, die über die Bürgerinitiative erzwungen wurden oder ausgelöst wurden, Veränderungen erfahren hat, die jetzt so noch von keiner Fachjury beurteilt worden sind. Deswegen war es heute, beziehungsweise gestern, unsere erste Befassung mit dem Projekt.

goodnews4: Wie beurteilen Sie denn die jetzt vorliegende Planung aus der ästhetischen Sicht, aus der Sicht der städtebaulichen Betrachtung?

Wolfgang Riehle: Wir haben mit großer Freude festgestellt, dass die Grundzüge des Siegerentwurfs beim Wettbewerb erhalten geblieben sind. Die bestehen im Wesentlichen darin, dass drei Hofquartiere gebildet werden sollen, innerhalb derer die randständigen Gebäude eine starke Höhendifferenzierung aufweisen und dieses Prinzip ist, obwohl die Geschosshöhen reduziert wurden, im Spiel zwischen den einzelnen Etagen erhalten geblieben. Die Gebäude sind, weil niedriger, etwas dicker geworden, also die einzelnen Gebäuderiegel, das geht ein wenig zu Lasten der inneren Höfe, aber ist aus unserer Sicht noch vertretbar. Wichtig ist, dass die Sichtachsen zur Oosaue erhalten geblieben sind. Wichtig ist, dass die Hoföffnungen in Richtung Oosaue erhalten geblieben sind. Das ist die gute Nachricht. Die schlechte ist, dass wir tatsächlich auch einen Kritikpunkt gefunden haben, nämlich am Kopf, am Einstieg in das Aumattgebiet, nämlich dort, wo man über die Oos-Brücke, in Richtung Oosscheuern reinfährt. Dort hatten die Verfasser des ersten Preises einen Hochpunkt, eine Dominante, als erstes Auftaktgebäude vorgesehen und auf Wunsch des Investors soll dort aber das bestehende Wohngebäude noch längerfristig stehen bleiben, damit die Mieter, die jetzt bisher da in diesem Haus leben, die das schon sehr lange tun, bis zu ihrem seligen Ende hier verbleiben können. Erst danach steht dieses Grundstück zur Disposition. Wir haben deswegen den Vorschlag gemacht, dass man an dieser Stelle bebauungsplanmäßig diese Dominante schon einplant und das unmittelbar angrenzende Gebäude nochmals modifiziert in seiner Lage, sodass nachher versetzt zwei Türme entstehen können. Turm klingt jetzt wahnsinnig hoch, so hoch werden sie nicht. Sie werden auch niedriger wie jetzt im Modell dargestellt.

goodnews4: Wie hoch werden Sie denn in Metern?

Wolfgang Riehle: Voraussichtlich fünfgeschossig. Es ist eine Höhenbeschränkung ohnehin baurechtlich schon vorgesehen. Also jetzt kein Hochhaus, sondern deutlich unterhalb der Hochhausgrenze, die ja bei 22 Metern liegt. So können wir uns gewissermaßen einen «Twin Tower» im späteren Zustand an der Stelle vorstellen. Was die Dominanz am Eingang ins Gebiet nochmals betont, aber die beiden Hochpunkte sollen etwas flächenversetzt zueinander sein, wobei der erste, wenn man über die Brücke kommt, näher zur Oos rücken soll und der zweite bisschen zurückgesetzt in Richtung Süden.

goodnews4: Was in der öffentlichen Diskussion eine große Rolle gespielt hatte, war das Thema: Gewerbegebiet oder soll auch Wohnen möglich sein? Ist das auch etwas, was Sie bei Ihrer Betrachtung der Pläne beachten? Also die Überlegung von Wohnen und Arbeiten, ob diese gestalterisch auch mit dem Entwurf in Einklang gebracht werden?

Wolfgang Riehle: Also das ist jetzt nicht ein Thema des Gestaltungsbeirates. Das hat eher was mit dem politischen Willen zu tun und der sieht mit einem «urbanen Gebiet», wie diese neue baurechtliche Form heißt, die dort ermöglicht werden soll, vor, dass Wohnen und Arbeiten in gemischter Form realisiert werden können, wobei kein prozentuales Verhältnis festgelegt ist, inwieweit Wohnen und inwieweit Gewerbe möglich ist. Es wird voraussichtlich so sei – so wurden wir informiert –, dass in einem Teil ein wohnungswirtschaftlicher Schwerpunkt kommt, im anderen Teil ein gewerblicher Schwerpunkt kommt, in der Summe aber genau der Mix, den man sich heute wünscht, weil die Entmischung von Wohnen und Arbeiten sich als Irrweg erwiesen hat.

goodnews4: Sie nannten das Stichwort «Twin Tower». Was meistens ja auf Kritik von Anwohnern stößt, ist, wenn neben einer Wohnbebauung ein hohes Bürogebäude entsteht. Ist das etwas, was Sie hier im Einklang sehen, die Gestaltung der Bebauung für Wohnen und Arbeiten?

Wolfgang Riehle: Wir haben da zum Glück bei dem vorher geschilderten Vorgehen überhaupt kein Problem, weil wir von der Hauptbesonnungsrichtung Süd den Schattenwurf der beiden Hochpunkte am Anfang Richtung Oos-Wiesen, Oos-Aue, haben und dadurch, egal ob Gewerbe und auch Wohnen im ersten oder zweiten Quartier vorgesehen sind, keine Konflikte auftreten können.

goodnews4: Halten Sie denn grundsätzlich bei solchen Projekten, die große Öffentlichkeitswirkung haben, es auch für die Nachhaltigkeit eines solchen Projektes für sinnvoll, wenn es einen Dialog gibt zwischen Bürgern, Investoren, Stadtverwaltung, Gestaltungrat? Bürger können ja auch viel historisches und natürlich emotionales Wissen miteinbringen, was aber eben für die Qualität eines solchen neuen Quartieres und die Nachhaltigkeit auch von großer Bedeutung sein kann.

Wolfgang Riehle: Ja, ich denke, da sind wir heute einfach sehr viel weiter als in früheren Jahrzehnten und auch die Tatsache, dass wir als Gestaltungsbeirat öffentlich tagen, was ein ausdrücklicher Wunsch auch von uns war, ist ja Teil dieser Einbeziehung dieser Öffentlichkeit. Die soll informiert sein, die soll wissen, dass es da nichts zu verbergen gibt. Es ist ein hochtransparenter Vorgang und es hat sich ja gezeigt, dass im Nachgang zu den Interventionen der Bürgerschaft die Planung angepasst wurde und jetzt hoffentlich und offensichtlich eine konsensfähige Lösung vorliegt.

goodnews4: Ich bedanke mich für das Interview, Wolfgang Riehle.

Wolfgang Riehle: Sehr gerne, vielen Dank, Frau Milke.

Das Interview führte Nadja Milke für goodnews4.de.

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goodnews4-VIDEO-Interview von Nadja Milke mit Wolfgang Riehle


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