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Teil 10 Leseprobe zum Roman „Neue Welt“ von Roland Weis – „Alarm, Alarm, Sandbank voraus!“

Baden-Baden, 11.02.2023, Bericht: Redaktion In der Baden-Badener Buchhandlung Straß stellte der Historiker Roland Weis seinen Roman «Die neue Welt» im goodnews4-Interview vor.
«Eroberung, Reviere dazugewinnen, Nachbarn bekämpfen, möglichst viel eigenes Territorium erobern – das zieht sich wie ein roter Faden durch die Menschheitsgeschichte», antwortete er zur Aktualität seines spannenden Romans, in dem ein Junge, der 1492 an der Entdeckung Amerikas durch Christopher Columbus und dann 50 Jahre lang an spanischen Eroberungszügen teilnimmt, die Hauptrolle spielt. In dieser Serie veröffentlicht goodnews4 Leseproben, die der Autor selbst aussuchte. Dies ist die z
Zu dieser zehnten Leseprobe schreibt der Autor Roland Weis: «Die rauschhafte Fahrt von Santa Maria, Pinta und Nina durch die paradiesische Inselwelt der Karibik nimmt am Weihnachtstag des Jahres 1492 ein jähes Ende. Aus Fahrlässigkeit strandet die Santa Maria auf einem Riff. Schuld daran ist der Schiffsjunge Rodrigo.»
Teil 10 Leseprobe «Die neue Welt» von Roland Weis:
«Eine verdammt müde Wache ist das», murrte José Pequinos und stützte seinen hageren Körper gegen die Ruderpinne. «Groumette, schläfst du schon?»
«Ja!», antwortete Rodrigo. «Ich bin todmüde.» Er beobachtete noch eine Weile den wackeren José, sah, wie dieser manchmal schlaftrunken vornüber kippte, sich aber immer wieder zusammenriss, dann gab auch Rodrigo den Kampf gegen die Müdigkeit auf und schlief ein. Lange dauerte der Schlummer aber nicht, denn ein unsanfter Tritt des Rudergängers weckte ihn wieder. «Groumette», flüsterte Pequinos. «Ich halte mich nicht mehr auf den Beinen, komm her, den Kurs halten, das kannst du auch, bei dieser Flaute.»
Der ältere Matrose schob den verschlafenen Rodrigo vor sich her und stellte ihn an die große, schwerfällige Ruderpinne. «Das hat der Admiral verboten», protestierte Rodrigo schwach.
Pequinos hörte gar nicht hin: «Da oben ist der Stern. Am besten nicht bewegen, dann bleibst du auf Kurs!» Dann streckte José Pequinos sich am Heck hin und fiel sofort in tiefen Schlaf.
Da stand Rodrigo. Von vierzig Seeleuten blieb er, der 13-jährige Schiffsjunge, als einziger wach. Die Niña voraus konnte er nicht mehr sehen. Und der Stern, den Pequinos ihm gezeigt hatte, welcher war es denn gleich ... Schon hatte er ihn aus den Augen verloren. Es gab so viele Sterne, und alle leuchteten sie um die Wette, je konzentrierter man sie betrachtete. Von seinem Standort am Ruder sah Rodrigo sowieso nur das dunkle, niedrige Zwischendeck. Eine seltsame Nacht. Träge und ohne Leben.
Das Ruder knarrte in den Ösen, vom Schiffsbauch und vom Deck kamen müdes Ächzen und Knirschen, in der Takelage klatschte und klapperte es. Bei dieser Windstille hörte man die Geräusche besonders deutlich. Und sie übertönten den leisen Schwall der Brandung, der Rodrigo vielleicht hätte alarmieren können.
Aber der schlaftrunkene Junge kämpfte so sehr mit seiner Müdigkeit, dass er nicht sofort merkte, wie die Santa Maria sanft auf ein schrägansteigendes Korallenriff glitt. Es geschah sogar so sanft, dass niemand erwachte. Rodrigo befand sich auch schon mehr im Traum als im Wachen, und er merkte erst dann etwas, als plötzlich das Ruder auf Grund fest hing.
Plötzlich war er hellwach. Er zerrte und zog an der für ihn viel zu schweren Ruderstange. Schon hörte er, wie die Dünung sich dicht bei Backbord brach, ein Alarmsignal, das ihn endgültig aufrüttelte. Was tun? Das einzig Richtige: Rodrigo schrie lauthals los: «Alarm, Alarm, Sandbank voraus! Alarm! Wir sind aufgelaufen. Alarm, Alarm!»
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